Valentine Goby: Kinderzimmer. Rez.: Cornelia Stahl

 

Cornelia Stahl
„Was ich spüre … manchmal Liedtexte“

Valentine Goby: Kinderzimmer. Roman.
Aus dem Französischen v.Claudia Steinitz.
Berlin: ebersbach & simon. 2017.
236 Seiten.
ISBN: 978-3-86915-140-3

Kurz nach Ende der Frankfurter Buchmesse schwirren noch immer die Namen französischer Autorinnen und Autoren in meinem Kopf. Doch Valentine Goby bleibt mit ihrem neuen Roman „Kinderzimmer“ fest in meinem Gedächtnis verankert. Darin erzählt sie von Mila, Mitglied der Resistance, die 1944 verhaftet und ins Konzentrationslager Ravensbrück deportiert wird. Sie ist schwanger, doch das noch Ungeborene verleiht ihr ungeahnte Kräfte und den Ehrgeiz, die schwere Zeit zu überstehen. Sie bringt ihren Sohn zur Welt. Mit anderen Neugeborenen wird er im sogenannten „Kinderzimmer“ untergebracht. Mila versucht mit all ihren Kräften, sein und ihr Leben zu retten. Die Solidarität der Mitgefangenen ermöglicht ihr, die Zeit während der Lagerhaft zu ertragen.

Basierend auf Zeitzeugenberichten und persönlichen Gesprächen erzählt Valentin Goby in verdichteter Sprache die Geschichte der fiktiven Resistance-Kämpferin Mila. In Gesprächen offenbaren die Häftlinge einander ihre Träume, Wünsche und Hoffnungen: „Ich, sagt Mila, ich kodiere, wie früher in Musikpartituren, kodierte Nachrichten. Was kodierst du? Alles, was ich sehe. Blume, Baum, Gefangene, was ich spüre … manchmal Liedtexte“ (S.47).

Für ihren Roman über das Schicksal von Neugeborenen im Frauenkonzentrationslager Ravensbrück erhielt die Französin Valentine Goby den Annalise-Wagner-Preis 2017. „Kinderzimmer“ zeigt eine weitere Facette von NS-Verbrechen: Die Ermordung von im KZ geborenen Kindern. Der ehemaligen Säuglingsschwester in „Kinderzimmer“, die 1943 wegen ihrer Tätigkeit in der Resistance nach Ravensbrück deportiert wurde, gelang es, Frauen und Kinder zu retten. 2012 wurde sie dafür ausgezeichnet. Ihre Memorien erschienen 2015 unter dem Titel Resister tourjours.

Valentine Goby, 1974 geboren, ist seit 15 Jahren als Autorin für französische Verlage tätig. In ihren Romanen beschäftigt sie sich häufig mit historischen Themen. 2014 erhielt sie für „Kinderzimmer“ den Preis Prix des Libraires. Ein Buch, das man nie mehr vergisst. Unbedingt lesen!

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