Festwochen Gmunden, 25.7.2016. Autorenlesung/Gespräch mit Franz Schuh. Rez.: Eva Riebler-Übleis

Eva Riebler-Übleis

Salzkammergutfestwochen Gmunden 25.7.2016 in der HIPP-Halle Gmunden
Autorenlesung/Gespräch mit Franz Schuh
Clemens J. Setz
DIE STUNDE ZWISCHEN FRAU UND GITARRE

Der 1982 in Graz geb. Autor las aus seinem zuletzt (2014 Gedichtband Die Vogel-straußtrompete, 2011 Indigo, Die Liebe zur Zeit des Mahlstädter Kindes) veröffentlichten gleichnamigen Roman vor.

Der Roman war 2015 für den dt. Buchpreis nominiert, hat über 1000 Seiten und beginnt eigentlich erst ab Seite 80, so Setz. Äußerst anregend und angenehm waren seine immer wieder mit persönlichen Notizen unterbrochene Vortragsweise und sein stetes Zurücknehmen einer allwissenden, autoritären Autorenpersönlichkeit. Seiner Meinung nach ist die Handlung, die sich um die Pflegerin Natalie  rankt, nicht wichtig. Er möchte dem Publikum gute Tricks und Tipps, sei es, dass man auch die Zunge bürsten soll oder sich eine gedankliche Privatmaus gegen eventuelle Schmerzen auf die Schulter zu setzen, mitgeben, meinte er fast nicht augenzwinkernd. Sein offener, durch seine Alltagsbeobachtungen geprägter Zugang zu Sprach- und Handlungsmaterial ist alleine schon ein Erlebnis. Er will weder in seinem Roman noch im wirklich spannenden Gespräch mit dem Schriftsteller, Philosoph und Kurator der Literaturschiene der Festwochen, Franz Schuh, komplexe Erklärungen und analytische Aussagen vorzuweisen haben. Es gehe ihm stets um Möglichkeiten. Er zitierte zahlreiche vor allem englische Schriftsteller oder auch Jandl bezüglich eines durchgehenden Handlungsstranges in einem Roman: Zu einem Inhalt kam es nur aus organisatorischen Gründen!

Setz selbst wollte im Inhalt dieses Werkes endlich einmal nicht wieder als Handlungsfigur vorkommen, daher schrieb er um dies wirklich vorzubeugen, über den abwesenden sanftmütigen (= bedeutet Clemens) Hasen (= Setz). Seine Privatphilosophie sei: Der handelnden Figur etwas aufzunötigen, denn diese ertrage es besser als er selber!

Diese Offenheit macht ihn und sein Werk äußerst sympathisch und regt an, das neue Werk zu lesen. Und zwar nicht trotz des großen Umfangs von 1000 Seiten, sondern sich genau auf diese Reichhaltigkeit zu freuen.

Clemens J. Setz wäre sicher ein spannender Autor und eine ebensolche Persönlichkeit für einen 3-4tägigen Literaturschwerpunkt der Salzkammergutfestwochen der nächsten Jahre!

Eine überzeugender Literat und ein höchst niveauvoller Abend!

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