Bühne

Salzkammergut Festwochen 2020: Konzert Willi Resetarits & Die raue Seele des Stubenblues

Eva Riebler

Konzert Willi Resetarits & Die raue Seele des Stubenblues
Toscana Congress Zentrum, 17.7.2020. 20 Uhr   

Statt Ernst Molden (krankheitshalber verhindert) und seiner Band inklusive Willi Resetarits sprangen die Stubenblues mit den drei Salzburgern Stefan Schubert als Konzertmeister/Gitarre, Peter Angerer/Percussion und Klaus Kircher/Bass ein.

Kurz bemerkt: Im Chorgesang großartig, in der Moderation Resetarits langatmig bis langweilig.

Zu Beginn drei H.C. Artmann-Lieder mit Dialekt-/Fallfehler („am ärmsten is ma ohne DIR“ – da wäre im Dialekt „ohne di“ schon flüssiger gewesen), die nur zarte Stimmung brachten. Jedoch mit den brandneuen Liedern mit Mundharmonika, besonders ab dem Lied aus der Heimat Resetarits, aus Stinatz, kam melodische und rhythmische Begeisterung von der Bühne und alles war und klang wieder gut!

Festwochen Salzkammergut Gmunden Toscana-Congress Konzert 23.7.2020: The Erlkings & Franzl

Eva Riebler

Festwochen Salzkammergut
Gmunden Toscana-Congress Konzert 23.7.2020

The Erlkings
Franzl
Bryan Benner – Bariton, Gitarre
Ivan Turkalj – Violincello
Thomas Toppler – Perkussion, Vibraphon
Simon Teurezbacher – Tuba

Mit FRANZL ist Franz Schubert gemeint, denn Bryan Benner hat viele der 700 Lieder Franz Schuberts in bestes Englisch übertragen und sein dynamisches Team gibt Passagen mit den jeweiligen Instrumenten pointiert wieder. Großartig ist sein Bariton und die Textung ins Englische der Schillerschen Balladen. Sie zeigen eine Freude an der harmonischen Musik und eine Ehrung Schuberts Werke. So wird das Kunstlied modernisiert und das Publikum hat Freude an der dynamischen und unerwarteten Umsetzung. Er verschmilzt deutsches Liedgut mit sehr berührenden Geschichten. Zu den ersten acht Liedern hat er Texterklärungen parat, die berühren und plausibel Eindrücke und Hintergrundwissen vermitteln, die bereits in der Nachmittagsvorstellung 100 Kinder begeisterten.

Ein Amerikaner, der erst seit 2011 in Österreich weilt, bringt so mittels charmantem Humor und herausragender Stimme dem österreichischen Publikum historisches Liedgut sehr nahe!

Großartig!

 

Landestheater 14.02.2020 Premiere "BLACK" von Luc Perceval

Eva Riebler

Landestheater 14.2.2020
BLACK

Von Luc Perceval

In seiner Trilogie „Black“, „Yellow“ und „Red“, den belgischen Nationalfarben, verarbeitet Regisseur Luk Perceval die Geschichte und Identität Belgiens. Der erste Teil „Black“ befasst sich mit dem kolonialen Erbe im Kongo. Bei der Berliner Kongo-Konferenz 1884/85 wurde dem belgischen König Leopold II der Kongo als Privatbesitz zugesprochen. Damit begann für die Bevölkerung des rohstoffreichen Landes ein Martyrium schrecklichen Ausmaßes: mit ungeheurer Brutalität wurde die gesamte Bevölkerung für die Kautschukernte herangezogen. Leopold II war verantwortlich für grausamste Menschenrechtsverletzungen. Im Mittelpunkt der bildstarken und musikalischen Inszenierung steht der afroamerikanische Missionar William Henry Sheppard, der dies dokumentierte und Aufmerksamkeit schuf für ein Verbrechen, das in Belgien bis heute weitgehend verdrängt wird.

„Percevals Theaterinstallation will letztlich Versöhnung und inszeniert im Schlussbild den Traum vom Schwarze und Weiße verbindenden Stammesritual, befeuert vom furiosen Theatermusiker Sam Gysel.“ DEUTSCHLANDFUNK

Das NTGent gehört aktuell zu den wichtigsten Theaterhäusern Europas.

In flämischer, englischer und französischer Sprache Mit deutschen Übertiteln.

Mit Aminata Demba, Tom Dewispelaere, Andie Dushime, Frank Focketyn, Yolanda Mpelé, Nganji Mutiri, Peter Seynaeve, Chris Thys

Inszenierung Luk Perceval Bühne Annette Kurz Kostüme Ilse Vandenbussche Dramaturgie Steven Heene Musik Sam Gysel

Österreich-Premiere Fr, 14.02.2020, 19.30 *  

30.01.2020 19:30 Uhr Premiere Landestheater, Figaros Hochzeit, aber nicht die Oper

Eva Riebler

FIGAROS HOCHZEIT, aber nicht die Oper
Die Geschichte eines revolutionären Friseurs

Nach W. A. Mozart und Lorenzo Da Ponte

30.1.20, 19.30 Uhr Premiere Landestheater Gr. Saal
Nach Friedrich Hebbel

Nur sechs Schauspieler: ein wunderbarer Tilman Rose als revolutionärer Figaro, eine kecke, spritzige Marthe Lola Deutschmann als Susanne, ein starker, mächtiger Michael Scherff als Graf Almaviva, Katharina Haindl als Gräfin mit wunderbarem Sopran, Andreas Thiele als Cherubin und Antonio mit Falsett-Stimme und die Neuentdeckung Boris Fiala in weiblicher Rolle als Marcellina mit Wiener Dialekt.

Stets eine Überraschung parat hat diese witzige Inszenierung von Philipp Moschitz.

Mozarts Welt und seine Intention gegen adelige Privilegien anzuspielen und zu singen geht voll auf. Es ist trotz toller Frisuren und Aufmachung beileibe kein theatralischer Kostümschinken, sondern schuldet unserer Zeit das Amüsement mit Witz und großem Tempo.

Eine Pause (Spieldauer 1 St. 30 Min.) ist gar nicht von Nöten, da das Interesse und die Spannung ununterbrochen gehalten werden.

Ein wunderbare Erneuerung eines Stückes von Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais mit eingestreuten Arien aus Mozarts Oper!

Unbedingt ansehen!

24.1.2020 Festspielhaus St. Pölten Ballet BC Vancouver: Busk / Bedroom Folk / Solo Echo

Eva Riebler

Festspielhaus St. Pölten
24.1.2020
Ballet BC Vancouver: Busk/ Bedroom Foolk/ Solo Echo


Drei Tanzchoreografien aus den Jahren 2009, 2015 und 2012 von drei Choreografinnen: Aszure Barton, Sharon Eyal und Crystal Pite zu völlig differenten Musikstücken von Camille Saint-Saens bis Brahms Cellosonaten in e-Moll oder F-Dur brachte Abwechslung und doch einen geschlossen Rahmen der Methode der Körperarbeit. Drei weibliche Choreografinnen, aus einer Generation kommend, haben ähnliche Position der Sichtweise, der Kreativität und des Spektrums der Einzelchoreografie in Beziehung zum Gesamtensemble.

Im Hintergrund zieht die vierte Frau, die Leiterin des BC Balletts Vancouver – Emily Molnar – die kunstsinnigen, künstlerisch hochwertigen Fäden. Sie kommt aus dem William Forsythe Ballett aus Frankfurt, das jedes Jahr im Festspielhaus zu Gast ist. Die heutige Performance kam aus Frankfurt, dann Köln auf unsere Bühne. Das Repertoire Molnars ist mit 45 Stücken weit gespannt und kommt auf viele Weltbühnen und rettete das BC Ballet vor 10 Jahren vor dem Bankrott.

Die letzten Zeilen des Textes des dritten Stückes, das in einer besonderen Atmosphäre des Winters (sichtbar durch ständiges Schneien im Bühnenhintergrund) spielt, stehen für die Ideen Molnars. Und zwar für die Betonung des menschlichen Individuums, das die Freiheit, das Potential zur Entwicklung haben und sich selbst finden und lieben soll:

„ … and you find yourself/ where you will be at the end,/ tell yourself/ in that final flowing of cold through your limbs/ that  you love what you are.“ (aus dem Gedicht „lines for Winter“ von Mark Strand.

Schöner und tiefgehender kann kein Ballettabend sein!

Ein toller Abend in einer bereits mit Highlights angefüllten Woche des Festspielhauses St. Pölten:

Am Montag 17.1.ein unvergesslicher Abend mit dem Tonkünstlerorchester bei Dvorak und Tschaikowskis Nussknacker, Am Freitag 24.1. das Vancouver Ballet und am nächsten Tag am Samstag 25.1. aus GB das einzige Ukulele Orchester mit sieben Spielern, die mit echt britischem Humor und herausragenden Stimm-Einlagen  das Publikum zu tosenden Beifallsstürmen verleitete!

Wie schön, dass wir ein so internationales, mit Qualität gespicktes Programm des Festspielhauses St. Pölten (zu wirklich moderaten Preisen!) genießen dürfen/können!!