Bühne

Jungle Book Festspielhaus St.P.

Eva Riebler

Festspielhaus St. Pölten Saisoneröffnung Sept. 2020

Österreich-Premiere

Jungle Book/Das Dschungelbuch

Nach einer Vorlage von Rudyard Kiplings Dschungelbuch.

Von Robert Wilson mit Musik von CocoRosie

Alle, Schauspieler wie das Publikum, sind froh, dass es zu CoV-Zeiten Musiktheater gibt, wenn auch nur 700 Zuseher unter strengen Maßnahmen Einlass finden.  

Robert Wilson, USA, ist weltweit ein bedeutender Theatermacher, Regisseur und Bühnenbildner etc. und hat dem dschungelbuch seinen Stempel aufgedrückt. Er stellte mit der Musik der Schwestern CocoRosie ebenfalls aus den USA, ein durch und durch amerikanisches Musical auf die Bühne des Festspielhauses.

Neu war u. a. die rote Blume als Symbol der Macht sowie die Rolle des Erzählers, mit einer Elefantendame besetzt, die auch eine zusätzliche Erzählung von Kotik dem Robbenschützer und die Fabel vom Elefantenkönig und der Furcht in der Grotte einfügte.

 Nicht die bekannten Lieder, wie: „Probier`s mal mit Gemütlichkeit“ usw., sondern Klassische oder Country-Musik, Indie-Pop. Rock oder Rock`n`Roll Versatzstücke wurden bunt gemixt.

Statt schauspielerischer Interaktion brachten die Songs die Handlung weiter. Fünf Musiker saßen im Orchestergraben und neun Sänger bewegten sich auf der Bühne. Die schwarze Pantherfrau erschien wie die Königin der Nacht und sang wunderbare Arien, Baloo der Bär ließ seinen vollen Bass ertönen, besonders exzentrisch schön war der Gesang der Mutter Messua und Darstellerin der Schlange. Jegliches Tier des Waldes hatte seine qualitätsvolle tolle Stimme. Davon lebte das Musical.

Die Kulissen und Requisiten waren sparsam, modern - minimalistisch und brachten mit Elektroschrott als Hintergrund die Umweltthematik ins Spiel.

Das Ende des  Musiktheaters war offen. Mogli, der Held wollte der König des Dschungels werden und war auf der Suche nach einer geeigneten Frau um eine Familie zu gründen. Somit eine Betonung der Wichtigkeit des Familiären.

Ein schönes Musiktheater für Kinder  (über 10 J., damit sie die dt. Übersetzungen rasch lesen können) und Junggebliebene!                   

 

GRAFENEGG  SCHLOSSKLÄNGE 24.10.2020

Eva Riebler

Hardenberger/Trompete und das European Union Youth Orchester

Dir. Marin Alsop

Samstag 24.10.2020, 18.30

 

Aaron Copland/Fanfare for  the Common Man

Joan Tower/Fanfare fort he Uncommon Woman

HK Gruber/Aerial, Konzert f. Trompete und Orchester

Igor Strawinski/Suite aus dem Ballett „Der Feuervogel“

 

Ein belebender Fanfarenstoß und eine breite Ausführung in heroischer Weise im ersten Stück. Genauso die Antwort einer US-Amerikanerin auf den „Common Man“, die gleich sechs kurze Stücke für Fanfaren schrieb. Das erste war zu hören, das der Pionierin der amerikanischen Dirigentinnen vor Ort,  also Marin Alsop, gewidmet war. Beide Stücke in einer klaren Tonsprache: aufmunternd, heroisch und selbstbewusst.

Die weibliche Dirigentin  setzte sich mit der modernen Formsprache eines Werkes von HC Gruber auseinander. Dies musste sicherlich eine exorbitante Erarbeitungszeit gewesen sein. Das Youth Orchester setzte sich ausgezeichnet mit dem wenig linearen Orchesterstück auseinander und spielte hervorragend als Ensemble. Der Solist Hakan Hardenberger war als internationaler Trompeter herausgefordert virtuos, mythologisch, teilweise interpretatorisch die ungewöhnlichsten Klänge hervorzubringen. Einfach hervorragend!

Igor Strawinskis Feuervogel erklang in sieben Sätzen/Tänzen in der Form von 1919. Vom wilden Tanz des Zauberers, vom Schweben des bunten Feuervogels oder dem Auftreten der 13 Prinzessinnen konnte man alles erspüren. Das sanfte Wiegenlied, zart und behutsam gespielt, bildete vor dem starken, hymnischen Schluss den hervorragenden Endpunkt.

Die schmissige Zugabe, das Markenzeichen des European Youth Orchesters, erklang und stimmte das Publikum noch fröhlicher und enthusiastischer!!

Begeisterung pur!

 

 

 

 

DEMIAN v. Herman Hesse 1.10.2020

Eva Riebler

Landestheater St.P. in Tulln im EGON SCHIELE Museum 1.10.2020, 18 Uhr

DEMIAN, die Geschichte einer Jugend v. H. Hesse

Klassenzimmertheater

Regie Anna Marboe (Absolv. des Max Reinhardt Seminars)

Mit Philip Leonhard Kelz (Absolv. des Max Reinhardt Seminars)

 

Vertrauen statt Angst

Das Landestheater expandiert. Gerade für das Klassenzimmertheater ist eine weitere Schulstadt wie Tulln passend gewählt. Leider war das Interesse für so ein zeitgemäßes tolles Stück für die Unter- wie Oberstufe viel zu gering! Es hätte wirklich Aufmerksamkeit und Interesse verdient, denn die modern adaptierte Spielweise eines 100 Jahre alten Werkes, wie die überaus große schauspielerische Leistung von Philip Kelz würde die Jugend mitreißen und beeindrucken.

Wenig Requisiten und gezielter Musik-Einsatz erhöhen die Glaubwürdigkeit der Handlung, die im Inneren der Hauptperson Emil Sinclair stattfindet. Erwachsen zu werden ist nicht leicht und daher ist ein Freund und Ratgeber, ob erdacht oder tatsächlich als Max Demian anwesend, von großer Bedeutung. Er gibt Ratschläge: „Jeder muss selber finden, was für ihn verboten oder erlaubt ist.“ – „Hast Du Angst, räumst du jemandem Macht über dich ein.“ – „In uns ist einer, der alles weiß, alles besser macht, als wir selber!“. Demian ist die Stütze für Sinclair – und – sinnvoll auch mit Gehstütze, mit Gehstock als Requisite verdeutlicht.

Die Selbstsuche ist zentrales Thema, das Fragen aufwirft, wie: „Warum ist es so schwer, das zu leben, was aus einem heraus will?“ – vermehrt jedoch kommen deutliche Antworten: „Die Dinge, die wir sehen, sind die, die wir in uns tragen.“ – „Es ist falsch, der Welt etwas geben zu wollen. Ich bin ein Wurf der Natur, um nichts als mich selbst zu suchen, um zu mir selbst zu kommen.“

Ja – Die Botschaft kommt  beim Publikum an: Es gibt keine Wirklichkeit, als die, die wir in uns tragen!

Ein zeitgemäß adaptiertes Theaterstück mit hervorragender Schauspielkunst von Philip Kelz dargeboten, dem wir wirklich viele Veranstaltungen in Schulen wünschen!

 

Landestheater St.P. Saisoneröffnung 2020

Molière SCHULE der FRAUEN

Landestheater St.P. Saisoneröffnung 2020

Molères SCHULE DER FRAUEN  18.9.2020

Übersetzt von Hans Weigel in der Fassung von Ruth brauer-Kvam (Inszenierung).

Arnolphe – Tilman Rose, Agnés – Laura Laufenberg, Horace – Philip Leonhard Kelz, Alain, Enrique, altes Weib und Notar – Tim Breyvogel, Georgette, Oronte, Notar – Tobias Artner,Uranie – Emilia Rupperti, Climène – michael Scherff, Musikerin – Ingrid Oberkanins.

 

Vertrauen statt Ketten für die Liebe/Liebenden

Das Theater als Stätte der Obsession, Frauenpower in einem Molière-Stück (einmal im barocken Ballkleidchen und einmal im Frack mit Gehstock & Zylinder) – das hat das Publikum nicht erwartet!

Eine furiose Aufführung in rasantem Tempo mit spritzigen Dialogen! Das Konzept der Übertreibung wirkt sich nicht überdehnt zum Klamauk aus, sondern ist erfrischen und mitreißend! Die Hauptcharaktere üben sich in der Kunst der Verstellung, z. B. der konservative Macho Arnolphe im blauen Peelz – außer sie sind so naive wie die Ziehtochter Agnès, die sich vor lauter Ehrlichkeit und Einfalt im positiven Sinne gar nicht verstellen kann. „Was soll an der Liebe schlecht sein, wenn sie doch so gut tut?!“,meint sie und hat somit das Recht auf ein Happy End verbucht!

Es ist ein Emanzipationsstück und die Polarisierung ist natürlich stark gezeichnet, jedoch auch der selbstsüchtige Macho wird mit seinem falschen Dominanzdenken nicht verteufelt, sondern sorgt für Überraschung und belebt das Stück kontrapunktisch. Der, der sich nicht der Lächerlichkeit preisgeben will, wird der gefeierte Verlierer. Wieso gefeiert?: Sind wir nicht auch oft einer Geschlechterstereotype aufgesessen oder haben sie inhaliert und vergessen sie aufzulösen oder am Eingang ab zu geben?

So gesehen, könnten wir dieses Molière-Stück als Besserungsstück einreihen. Nicht für die Hauptfigur (die lernt wenig dazu), aber hoffentlich für uns als Zuseher und Genießer dieser Inszenierung!

Nach und anscheinend während Corona ist so eine niveauvolle Theateraufführung wirklich Nahrung für die ausgehungerte Seele, den Geist und die Augen.

Der Zuschauer will wirklich alles, aber alles – inklusive jedes Paukenschlages von Ingrid Oberkanins mitbekommen und hat viel und in rasantem Tempo zu Bewundern und zu erleben.

Auf einer Skala von 1-10 bekommt die Inszenierung, Dramaturgie, Schauspielkunst mit Bühne & Kostümen die Ziffer 100!

Eine kunstvolle, humorvolle Darbietung!

Eva Riebler, Litges

Grafenegg Festival 2020 14.8. bis 6.9.

MNOZIL BRASS 4.9.2020 Wolkenturm

Grafenegg Festival 2020 14.8. bis 6.9.

MNOZIL BRASS 4.9.2020 Wolkenturm

„GOLD – MIT ABSTAND DAS BESTE“

Zum letzten Wochenende noch ein kräftiges Blechbläser-Ensemble mit Thomas Gansch, Roman Rindberger, Robert Rother – Trompete/Flügelhorn, Leonhard Paul, Gerhard Füssl -  Posaune/Basstrompete, Zoltán Kiss Posaune und Wilfried Brandstötter in der Tuba.

Eine kongeniale Zelebration des 28. Geburtstages der Mnozil Brass-Band, die einst, in den frühen 1990er Jahren im Wiener Mnozil Gasthaus ihren Namen fanden!

Die größten Superhits, die besten Gags – vom Zehen und mit beiden Händen jeweils ein Instrument bedienenden Blechakrobaten bis zum Blinden, der den Zugbügel der langen Posaune als Blindenstock verwendet (Leonhard Paul)  …spielen sie dem Publikum alles vor, was dem Irrwitz, gepaart mit absoluter Instrumentalbeherrschung  dient. Die Lachmuskeln werden strapaziert und trotzdem ist die Blasmusik Hauptbestandteil. Von der Volks-Blasmusik zur erfolgreichen Kabarett-Musiktruppe! Der Weg ging schnell! Nur 5 Jahre Aufbau und Feilen am Best of – und schon gibt’s kein Zurück! Das Publikum würde es nicht ertragen, nicht in 2 Minuten von den Melodien des Ave Marias (mit Mund-Nasen-Maske gesungen bis gesummt) zu Bonanza bis Heidi, deine Welt sind die Berge oder von: My Pony is over the Ocean zu einem Sirtaki geführt zu werden.“

„I can´t give you anything but love!“ – ertönte nicht nur, sondern kann als Antwort des berauschten Publikums gesehen werden! Großartig!!

Eva Riebler, LitGes