Großer Schwurgerichtssaal des Landesgerichts St. Pölten: „Name: Sophie Scholl“ von Rike Reiniger. Rez.: Annemarie Wundsam-Nixdorf
Annemarie Wundsam-Nixdorf
Großer Schwurgerichtssaal des Landesgerichts St. Pölten
18. Oktober 2017 (zu sehen bis 20.9)
„Name: Sophie Scholl“ von Rike Reiniger (im Auftrag von werk89)
Eine werk89 Produktion mit dem Landesgericht St. Pölten in Kooperation mit dem Festspielhaus St. Pölten
Regie: Melika Ramic, Darstellerin: Suse Lichtenberger, Dramaturgie: Theresa Unger, Komposition, Musik: Imre Lichtenberger Bozoki, Ausstattung: Agnes Burghardt, Sounddesign, musikalische Betreuung: Daniel Kern, Produktionsleitung, Kommunikation: Simon Hajos, Idee, Konzept: Anna Müller-Funk, Agnes Burghardt
Ein Theaterstück über Zivilcourage. Eine Geschichte wird in die Gegenwart geholt.
Wir Zuseher kommen durch die Personenkontrolle ins Gerichtsgebäude und gehen zu einem Prozess im Schwurgerichtssaal. Im Vorraum warten wir auf die Verhandlung. Die Stimmung schwankt von heiter bis betrübt. Plötzlich der Aufruf der Zeugin Sophie Scholl. Wir begleiten sie in den Gerichtssaal. Von der Schauspielerin Suse Lichtenberger wird uns das Leben der Widerstandskämpferin der „Weißen Rose“ Sophie Scholl ins Gedächtnis gerufen. In der Doppelrolle ist heute die geladene Zeugin eine Namensvetterin und Jusstudentin kurz vor dem Abschluss und soll ihre Aussage tätigen. Sie kann Schweigen und eine Sekretärin und Mutter wird verurteilt werden; sie kann sagen, was sie weiß, und ihre Karriere könnte Schaden nehmen.
Die beiden verschiedenen Welten werden gekonnt durch Orts- und Lichtwechsel sowie Hintergrundstimmen in Szene gesetzt. Sie erinnert sich an die Widerstandskämpferin, die als Mitglied beim „Bund Deutscher Mädchen (BDM)“ engagiert und begeistert war, aber nach der Frage, warum manche FreundInnen nicht mehr da sind, entscheidet sie sich für den Widerstand. Auf der Universität in München werden sie und ihre Mitstreiter verraten und zum Tode verurteilt.
Unsere Jusstudentin Sophie Scholl fragt sich, ob sie aussagen soll – einen aufrechten Gang möchte sie sich bewahren und den Frieden mit sich selbst.
Auch heute könnte von uns eine Aussage notwendig sein, die uns zwar nicht das Leben kostet, aber wichtig für das Leben anderer sein könnte. Das Stück „Name: Sophie Scholl“ gibt eine Richtung vor: Ein Aufrechter Mensch zu sein, der sich selbst in den Spiegel sehen kann und Zivilcourage zeigt, um mit sich selbst und anderen in Frieden leben zu können.