Landestheater NÖ. Ein Sommernachtstraum v. w. Shakespeare, 2. Oktober 2015. Rez.: Eva Riebler-Übleis

Eva Riebler-Übleis
Liebe, Sex & Eselei! Oder: Der Verliebte, der Irre, der Dichter sind gleich!

Landestheater NÖ Saisoneröffnung 2.10.15
Ein Sommernachtstraum v. w. Shakespeare

Der Verliebte, der Irre, der Dichter sind gleich. Des Dichters Feder verleiht den Dingen Form, schafft sich selbst die Bahn dieser Freude! – soweit ein Zitat aus dem Stück, das wie eine Entschuldigung klingt für subjektive Phantasie und Erfindungsgabe samt Betonung der Freude!

Die Freude, der Spaß beginnt bevor der Vorhang sich hebt mit dem Anblick eines Helmut Wiesingers als Elfe, rundherum eingewickelt in rosa Tüll mit Unterrockbeleuchtung und mit dem Einstieg des Theseus (Lukas Spisser) als Conchita Wurst-Animation. Unter der Regie von Sebastian Schug und der Dramaturgie von Matthias Asboth geht es natürlich in rasantem Tempo weiter. Es sind keine Kalauer, auch nicht in der Rüpelszene, es ist verwirklichte Spielfreude, Verzauberung und Abstoßung, Liebe und Abscheu. Der Eros wird von Swintha Gersthofer und Lisa Weidenmüller auf die Bühne gebracht und von Marion Reiser als Titania und Tobias Voigt als Esel mit nacktem Plastikglied bis zu purem Sex gesteigert. Einfach herrlich auch die schauspielerische Leistung Jan Walters, Pascal Gross oder der Puck-Frau Elzemarieke de Vos als Gastschauspielerin aus Berlin.

Jedoch geht es nicht um den Tumult an sich, sondern um die Durchbrechen der Genderrollen, z.B. grandios Magdalena Helmig als Dichter Squenz oder Spinnweb oder gar als graue Wand, durch deren Lucke sich Pyramus/Tobias Voigt und die geliebte Thisbe/Michael Scherff sich erblicken und verabreden.

Die gute Wahl der phantasievollen Kleidungsstücke, der knappen Röckchen und kontrastierenden Knieschoner unterlag der Kostümbildnerin Nicole Zielke und die musikalische Berauschung und die schmissigen Songs (z.b. „you need the drugs“) Johannes Winde.

Einfach köstlich, schräg, mitreißend, witzig, spritzig und einmalig!
Ein gelungener Start in das letzte Jahr der Intendantin Bettina Hering!

LitGes, im Oktober  2015

Mehr Kritiken aus der Kategorie: