und nach dem unfall
steht sie fassungslos da
ohne sein gedächtnis
im richtigen krankenzimmer
mit der fremden frau
die seine hand hält
als ehefrau wider willen
langjährige begleiterin
eines vermeintlichen doppellebens
der unbekannten person
ein katastrophaler irrtum
des über die maßen bandagierten
beider anziehung verdeckt
die eifersucht der anderen
der richtige im falschen
augenblick der tragödie
Biographie: Manfred Pricha
Geb. 1954 in Altötting (D), Studium der Wirtschafts- und Geschichtswissenschaften an der Ruhr-Universität Bochum. Autor, Wissenschaftlicher Dokumentar und Historiker, lebt und arbeitet in Bochum, schreibt Lyrik und Prosa. mehr...
33/ Lyrik: Simon Konttas
Simon Konttas EINE BEOBACHTUNG
Zebrastreifen über Pflasterstein.
Die Ampel auf Rot und Nieselregen.
Ich warte. Dort, mir gegenüber, in
Hosen, die eng, in einer Kappe
Aus Regenbogenfarben (und anderen mehr)
Und beiger Jacke bis zur Hüfte; langes Haar, Obligat, eine schöne Nase,
Steht er. Der Anarchist. Der Vegetarier, der immer
Lächelnde, der mit der Stofftasche, ein
Gut aussehender Mann, ein junger (Bin
Ich jemals unansehnlichen Rebellen begenget? Alles hübsche, schöne, schlanke,
Windige Geister, die nicht scheuen müssten,
Natürlicher sich zu geben)
Und wartet! Ja, wie ich da stehe:
Erst der Neid auf diesen unstiefmütterlich
Benaturten, den Sprössling, diesen Und dann: er wartet!
Und schon lache ich ihn aus, insgeheim. Wärst du nur nach dem Lastwagen über
Die Strasse gelaufen.
Das hätte deinen Goldlöckchen besser gestanden
Und deinen Beinen, diesen Waldläuferläufen, du
Anarchist.
Biografie: Simon Konttas
Geboren 1984. Finnisch-serbischer Abstammung. Nach Matura in einem katholischen Gymnasium Beginn des Studiums der ev. Fachtheologie in Wien. Universitätsassistent, Lektor, Nachhilfelehrer. Nach Krankheit Aufenthalt in Finnland. Umzug nach Finnland. Einführung in Gesang und Kompositionslehre bei M. Slobodeniuok. Seit 2005 hin und wieder Predigttätigkeit und diakonische Aufgaben. Bis dato Veröffentlichung in Anthologien, Lyrik und Prosa. mehr...
33/ Lyrik: Martin Dragosits
Martin Dragosits CRY BABY
Über Jim und Jimi
habe ich Gedichte geschrieben,
Janis darf nicht fehlen,
eine texanische Schnapsdrossel,
ein schircher Apparat, wie man bei uns sagt.
Talente werden ungleich vergeben,
damit der Hochmut wenig Arbeit hat.
Du hast Deine Stimme bekommen,
ein Markenzeichen als Orkan.
Dein Lied über die Freiheit
wird als Autowerbung
missverstanden.
Ist es so schwierig
zuzuhören?
Wo sind all die Blumenkinder
hingegangen?
Wechselten sie von Woodstock
direkt in die Marketingabteilungen,
zu den Fließbändern,
um ihre Kredite abzuzahlen,
für die immervollen Kühlschränke
ihrer Einfamilienhäuser und gefräßigen Kinder?
Stiegen sie für ein paar Jahre aus,
um später unweigerlich quer einzusteigen?
Love und Peace, solange
das Benzin preiswert ist?
Aus den Kriegen sind Interventionen geworden.
Die Sprache macht vieles möglich.