32/ Lyrik: Regeneration, Eszter Váci

REGENERATION
Eszter Váci

der Frühling regnet sich in den Herbst hinüber
ohne die Amseln Sonne trinken zu lassen
wie noch in Zeilen des Wortklangmalers
bei ihm wurden die Herzen zu Gärten
hier liegen sie brach im Stadtsumpf nieder
überzogen von Armeen nacktbrauner Schnecken
die sich nur vermehren
um hausierend in Keller einzufallen

aus allen Gärten strahlen statt der Lieder
feucht ausgekrächzte Lärme von Brütern
denen es ihre Melodie verhagelt hat
zwischen Huschen signalisiert eine Rauchfahne
die Kapitulation des letzten Grillgutsherrn
der mit der Opferung von Tierstücken
die große Glut herunter beschwören wollte
während sein Ableger bleich und aufgeschwemmt
von zu wenig Wärme und zu viel Berieselung
in der Laube matt vor Scheiben einsitzt
anstatt im Leben zu glänzen

ich bin heute vom Rauschen am Fenster erwacht
mit einem Altweiberschmerz im Fingerknoten
der mich daran erinnert
auch ohne Amsel zur Feder zu greifen
bevor der Regen verstummt
und alle heitergrün zurück lässt

Kurzbiografie: Eszter Váci
Geb. 1971, Hamburgerin. Schreibt Kurzprosa und Lyrik.
Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien.
Gestaltung von Veranstaltungen, Moderation.

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32/ Lyrik: Daniela Beuren

Daniela Beuren

Ohne Worte

Ich want tanto parler contigo,
aber I sé pas cual Sprache you parle
I möchte tant hablar mit toi
but je weiß not quel language du hablas
Je quiero so much sprechen avec you
mais i don’t sais what idioma you sprichst

Quiero, mais know nicht
Veux, aber weiß not
Möchte, but no sais …

Sprich!

 

somewhere there’s heaven

how high the moon
und wie tief der spalt
hinten in deiner hose
als du am computer sitzt

ein dunkler
viel leicht behaarter spalt?
how near, how far
ich bin zu weit weg

deine hose ist verrutscht
du hast es nicht bemerkt
denn darum geht es nicht
there is no moon above

somewhere there’s music
doch darum geht es nicht
wir haben zu tun
bei nahe miteinander

du bist zu weit weg
is where you are
mir fällt das essen aus dem mund
wenn ich daran denke

 

Fieber

Du heizt mir ein
das heißt das brennt
das lautet das knackt
Du feuerst mich an
Du fasst mich an
gierige Hitze
fressende Nähe

Du plünderst mich
nur meine         HAUT
                        SCHLÄGT
                        ALARM?

Ich erwache glutüberströmt.
Der Ofen ist aus.

Kurzbiografie: Daniele Beuren
Geb. 1961 in Wien. Schul- und Uniausbildung (Übersetzen Deutsch/Englisch/Spanisch) in Wien. Übersetzt, schreibt und performt u.a. in der Grauenfruppe. Unterrichtet „Kreatives Schreiben“ an der Uni Wien.
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32/ Lyrik: Martin Dragosits

Martin Dragosits

LUFTQUADRAT

Kronen fangen, netzverwöhnt,
Schwarzbrottoast und anderes
Gewölk. Lachen, raumbedingt
die Lücken nutzen, audiophil.

MOBILE

zuckergraue rauchmandanten
um den finger wickeln vehement
rotundenkreuze tonpaläste
monaden spüren unverbraucht
den glastapeten rotverzerrt
maskottchen basteln fest

ICH

ohne verben adjektive nebelhörner
haustortrümmer zehensocken
hodenwärmer

DORT

In einem Worthort
war der Stamm fortdort
man sagt dazu Nordmord
oder Abort

Bald darauf
war das Nordwort fort
es fi el danach
kopfüber Bord

Ich erwähne noch
den Lammkamm
dieser stammt
vom Kammlamm

Sein Griff gemacht
aus dem Schaumbaum
bevorzugt zu finden
im Traumraum

Man kann auch baden
in Baumschaum
welch Idylle
in so einem Raumtraum

Jetzt gehe ich
zu einem Testfest
vielleicht gibt es dort
genügend Nestrest

Ich brauche nicht mehr
so viel Hastlast
ich möchte jetzt endlich
mehr Fastrast

Wohin ich auch blicke
viel zu viel Stussmuss
das beende ich lieber
mit einem Schlusskuss

Biografie: Martin Dragosits
Geb. 1965 in Wien, dort lebend, Projektleiter in der Informatik eines Finanzdienstleisters.
Zuletzt: „Der Teufel hat den Blues verkauft“, Arovell, 2007.
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