34/ Prosa: Ach! Ein Gespensterbericht in sieben Seufzern, Michael Ziegelwagner
Michael Ziegelwagner ACH!
Ein Gespensterbericht in sieben Seufzern.
1
Ach! Wie sehnsüchtig wir von Menschen, denen wir Ehrfurcht entgegenbringen, ein wenig Achtung zurückerhoffen! Wir hoffen es heimlich. (Die Frage des gegenseitigen Respekts ist immer tabu, denn wird sie auch nur gestreift, so zerstäubt ihr Gegenstand in Nichts. Autorität und Zueinander-Aufsehen sind nie das Ergebnis von Verhandlungen, sondern stets stille Übereinkünfte.) Inzwischen zittern wir vor ihrem Urteil und heben jedes Lächeln dieser Autoritäten, jeden zufälligen Gruß in den Rang einer tief empfundenen Anerkennung.
Das Ehepaar Sattmeer, als es sich noch unzweifelhaft am Leben befand, flößte schon durch sein bloßes Alter Respekt ein. Jedes Vorbeigehen an der Wohnung, jeder flüchtige Blick auf dieses Türschild, auf dem „Dr. und Dr. Sattmeer“ prangte, kostete Überwindung. Wenn er heraustrat, der weiß gekleidete Ministerialrat im Ruhestand, der alte Dr. Walther Sattmeer, dann blieb man wie ertappt stehen und betrachtete ihn. Ein Koloss, riesenhaft und fett, ging er die sechs Stufen bis zum Gehsteig hinab, blieb unten auf seinen Stock gestützt stehen und hob das Kinn. Seine Nasenflügel bebten, seine Lippen über dem kurz geschorenen Bart, der seine blauschwarze Farbe bis ins hohe Alter nicht verlor, pressten sich aufeinander, als wollte Dr. Sattmeer, bevor er ausging, die Qualität der Gassenluft abschmecken. Große Teile seines Gesichtes waren von wuchernden braunen Flecken bedeckt.
Die Tür hinter Dr. Walther Sattmeer blieb stets einige Minuten lang offen. Man konnte im Weitergehen (während man den schnuppernden Ministerialrat a. D. leise grüßte) einen Blick ins Innere der Wohnung erlangen und, unter anderem, ein langes Sofa erkennen, das sich im Dunkel des Vorraumes verlor. Aber schon flog die Tür zu: Dr. Edith Sattmeer war herausgetreten, im Hinuntergehen streifte sie erst ihre Handschuhe über und lief auf ihren Mann zu, hakte sich bei ihm ein und schob oder zog ihn davon. Es war, als hätte er erst den Anstoß durch seine Frau benötigt, um wie eine große weiße Billardkugel loszurollen. Sie, eine pensionierte Ärztin mit langen falschen Zähnen, nur wenige Zentimeter kleiner als ihr Mann, aber gebeugt gehend, strich sich im Weggehen über das weiße Haar, das sie in einen langen Zopf fasste. Und erst hundert Meter nach dem Verlassen ihrer Wohnung setzte sie den Hut auf. So sehe ich die beiden in meiner Erinnerung heute noch vor mir, wie sie eilig davongehen, wie sie Abstand schaffen.
Sie kannten mich, und ich kannte sie. Frau Dr. Sattmeer war unsere Hausärztin gewesen. Im Ruhestand kam sie – vielleicht dreimal im Jahr – mit ihrem Mann zu Besuch. Während ich jedoch in den Augen des Ehepaares die lange Wandlung vom Neugeborenen zum Erwachsenen durchgemacht hatte, und dies während eines Bruchteils ihres Lebens, waren sie für mich immer die Gleichen geblieben. Sie hatten sich ein Vierteljahrhundert lang nicht verändert, in den Augen des jungen Mannes sahen sie nicht anders aus als in den Augen des Kleinkindes.
Ich sammelte eifrig ihre Ehrerweisungen und erinnere mich noch an die kleinsten: Walther Sattmeer steht von unserem Esstisch auf, als ich hereingeführt werde – er erweist mir, dem Zehnjährigen, seinen Gruß. Die Handknöchel auf den Tisch gestützt, neigt er den Kopf. Später sprechen meine Eltern leise, weil ich es nicht hören soll, über diese besondere Anerkennung: „Im Stehen hat er gegrüßt. Hast du's gesehen? Derselbe Mann, der vor dem Bundespräsidenten nicht aufgestanden ist!“ – Edith Sattmeer, den weißen Zopf über der Schulter, wischt sich die Finger an ihrem Rock ab und streckt mir die Hand entgegen: Ich nehme sie vorsichtig entgegen, diese weiche Hand, und drücke sie kaum, aus Angst, die blauen Adern auf ihrem Rücken zu zerquetschen. Frau Dr. Sattmeer stemmt daraufhin die Arme in die Hüften, nimmt ihren Kopf soweit wie möglich zurück – es ist, als würde sie ihren Buckel einziehen – und fragt mich, wie es mir gehe. Tief bewegt von ihrem Interesse plaudere ich aus dem Gefühlsleben eines Fünfzehnjährigen. – Szenen wie diese sehe ich noch heute vor mir, auch wenn es das Ehepaar Sattmeer nicht mehr gibt – zumindest in der ursprünglichen Form nicht mehr. mehr...
33/ Prosa: Splitter und Splatter, Hahnrei Wolf Käfer
Hahnrei Wolf Käfer SPLITTER UND SPLATTER
(Untolerierbare und schlampige Verkürzungen)
Papa, was hast du damals gemacht?
Wann, damals?
Im Krieg.
In welchem Krieg? Ich war in keinem Krieg.
Na, zwischen 1968 und 1978. Wenn Bader/Meinhof Kriegsgefangene waren, muss es doch auch einen Krieg gegeben haben. Was hast du da gemacht?
Stimmung.
Der Liedermacher Franz Josef Degenhardt lästert schon Mitte der siebziger Jahre über die vorausgeahnte Achtundsechziger-Nostalgie. Ja, wenn der Senator erzählt und seine Dias von den Maiaufmärschen herzeigt (das Meer der roten Fahnen im Gegenlicht), sichtlich von der eigenen Geschichte gerührt. Senator, das ist für die Liedfigur wichtig, er hat sich also angepasst, hat also den Marsch durch die Institutionen hinter sich. Aber er ist, sein Vortrag zeigt es, noch immer vom Phänomen der Masse und Macht hingerissen. Man war wer, weil man viele war. Und der Inhalt, die Idee der Bewegung? Degenhardt bedauert in seiner zutreffenden Nostalgie-Prognose noch, dass Idee und Inhalt abhanden gekommen sein werden, dass sich alles auf rote Fahnen im Gegenlicht reduzieren wird.
Papa, was hast du damals gemacht?
Wir haben demonstriert. Wir haben Hörsäle besetzt. Einmal wurde sogar ein Ferkel ...
Kurzum: Ihr habt damals euren Spaß gehabt.
1968 wurde in den Familien noch viel und recht unbekümmert vom Krieg erzählt. Unbedarfte Anekdoten und Episoden, die Historie auf individuelle Geschichten herabgebrochen. Oral History, wie man es heute nennt. Es gab auch Fotos, meist mit vielen Uniformen, selten im Gegenlicht. Und selten mit Fahnen, alles Hakenkreuzige hat man im Frühjahr 1945 aus Angst vor den Besatzern verschwinden lassen. Als Soldaten waren die Erzähler meist noch wer gewesen. Zumindest in den Erzählungen. Wer berichtet schon gern davon, dass er ein unbedeutendes, irregeleitetes Würschtel, aber ein Hetzer im Vorfeld der Ereignisse war?
Papa, warum hat es Krieg gegeben. War es wieder die Arbeitslosigkeit?
Im Gegenteil, 1968 gab es Vollbeschäftigung. Wir waren eigentlich zuerst nur gegen den Vietnam-Krieg. Und dann gegen die Amerikaner, die damals Westdeutschland besetzt hielten. Und dann gegen das internationale Kapital, das diesen Krieg finanziert ...
Und dafür habt ihr Kapitalisten ermordet?
Ich hab keinen Kapitalisten ermordet, ich hab nur ein kleines Transparenterl mitgeführt.
Ja, wenn der Herr Karl erzählt. Es ging damals, 1968, wie heute darum, wer die Geschichte erzählen darf. Und obwohl die Tugendwächter der Geschichte bei jedem Vergleich aufjaulen, weil sie meinen, man setze Tatsachen gleich, wo man Strukturen vergleicht: Wie der spätere Genozid an den Juden und die Grauen des Krieges die Gewalttreiberei, die dazu geführt hat, nahezu vergessen lassen, überschatten die Morde der APO die davorliegende Gewalthetze und Gewalteskalation. 1968 (als Chiffre gedacht) wird von den damaligen Gewalttreibern oft nahezu als netter Lausbubenstreich erzählt.
Und du warst wirklich für den Kommunismus, Papa?
In gewisser Weise schon.
1968? Als die Tschechoslowakei von den Warschaupakt-Staaten überrollt wurde? Ja, warst du blind? Oder blöd? Hast du die Verbrechen nicht gesehen, die im Namen des Kommunismus begangen worden sind?
Werde mir nicht frech. Wenn man etwas ändern will in dieser Gesellschaft, kann man sich nicht weiße Seidenhandschuhe anziehen. Groß reden kann jeder. Aber wofür seid ihr? Wofür? Ihr interessiert euch ja nur noch für eure Ich-AG und für den Konsum und eure Partys. Unter der Meinhof hätte es das nicht gegeben –
sagen sie gerade noch nicht, die Altachtundsechziger. Aber wie sie sich heute in Szene setzen und gesetzt werden! Sie machten nicht Revolution, sie machten bloß Stimmung. Jene Stimmung, in der übers Morden wieder diskutiert werden konnte. Sie machten bloß jene Stimmung, in der über Morde offene oder klammheimliche Freude herrschte. Jene Stimmung etwa, in der man auf Lenin wieder einen heben konnte. (Heinz R. Unger, Proletenpassion) Aber das war, wie eigentlich fast alles, was man unter 1968 versteht, später. Und von so manchem krausen Gedankengang jener Zeit spricht man heute überhaupt nicht mehr.
Papa, ich verstehe die Krisensehnsucht von damals nicht.
Ohne Krise des Kapitalismus keine Revolution. Ist doch klar.
Aber es ging den revolutionierten Menschen im Osten doch viel schlechter als den nicht revolutionierten im Westen. Wolltet ihr wirklich, dass es allen so schlecht geht?
Wir waren gegen die Ausbeutung, gegen die Entfremdung. Wir waren für die Selbstbestimmung. Für die Freiheit.
Es riecht ein wenig romantisch und weltfremd, wenn vom Materialismus statt Wohlstand Freiheit proklamiert wird. Wo immaterielle Werte proklamiert werden, ob nun Solidarität oder Nächstenliebe, werden stets materielle einbehalten und angehäuft. Man kann auch sagen, die Praxis der Ideologien bestehe darin, ideellen Wert (etwa positives Selbstwertgefühl) auszuzahlen, um realen Mehrwert einzubehalten.
1968 ist ein Mythos, und ein Mythos ist ähnlich den Markennamen (Coca Cola, Adidas ...) vor allem etwas Aufmerksamkeitsmächtiges. In den Mythossack Ödipus wurde bekanntlich auch vieles hineingestopft, was dort ursprünglich nicht vorhanden war und dort auch gar nicht recht hineinpasst. Warum sollte es 1968 anders ergehen. Ich war damals zwanzig, Student, klarerweise verliebt.
Papa, wenn alles später war, was bleibt dann für 1968? Was war damals wirklich los?
Unleugbar gab es die sexuelle Befreiung.
Warum? Gab es vorher ein Bumsverbot?
Blödsinn, aber die gesellschaftlichen Normen. Der gesellschaftliche Druck.
Papa, war die sexuelle Liberalisierung nicht doch Djerassi mehr zu verdanken als Engels oder Marx. War es nicht die Pille, die für die Frau Selbstbestimmungsmöglichkeit schuf und für beide Geschlechter einen mehr oder minder angstfreien Raum?
1968 war Politik und Kunst, die berühmte Hörsaalaktion mit Brus, Mühl, Wiener und Co., eine sehr ‘körperorientierte’ Aktion. Längst wissen wir, wie R. Burger alles bestens formuliert missverstehen kann, und dass keiner so gut und eitel formuliert missversteht wie er. Der philosophische Gestus der Benennung ist bekanntlich eine Aneignung, erst mit dem nach Gutdünken Benannten kann man nach Willkür verfahren. Burger nannte die erwähnte Hörsaalaktion jüngst ‘Schlechtes Benehmen’. Welch Beruhigung und Erlösung des Bürgertums, wenn Aktionen und Aktionismus entweder ‘nur’ Kunst sind, also in einen quasi exterritorialen Raum (Kirche, Galerie, Theater etc.) abgeschoben werden können. Oder wenn sie ‘nur’ schlechtes Benehmen sind und somit als aus dem exterritorisierten Raum des Verpönten in den tatsächlichen herüberschwappendes Geschehen gesehen werden können wie etwa ein Rülpser ohne Absicht. Da wird also das Verstörende bequemerweise in den Abfallkübel des schlechten Benehmens entsorgt. Oder in den Schrein der Kunst, wo man es durch Historisierung entschärft.
Wenn ich so etwas lese, was wirklich nicht bürgerlicher Contenance entspringt, sondern schlicht Wiederholung jener primitiven Reaktion ist, die schon damals jenen Denkprozess ersparen sollte, zu dem die Aktion anregen wollte, merke ich, dass mir die Wichtigmacherei der etwas überwutzelten Achtundsechziger und jener, die es nachher (nach 1968) erst geworden sind, mag sie auch etwas Lächerliches an sich haben, doch noch lieber ist.
Und wurde nicht 1968 auch zum Geschäft gemacht? Wird nicht immer noch mit 1968 Geschäft gemacht?
Mit allem wird Geschäft gemacht, mein Sohn. 1968 ist ein bißchen wie Marlboro, eine Marke mit einem verruchten Flair. Und es gibt wissenschaftliche Untersuchungen, dass Rauchen nicht schädigt und 1968 keinen Anlass zur Einschränkung der bürgerlichen Freiheiten gegeben hat.
Und machst nicht du auch soeben Geschäft mit dieser Marke, Papa?
Nun, die zehn Minuten Aufmerksamkeit habe ich mir wohl verdient, oder? Und ich hör ja gleich auf.
Klarerweise ist alles eine Frage des Geschäfts. Wenn ein Autor, ein Liedermacher, ein Künstler einmal ‘im Geschäft’ ist, mag er sich gebärden, wie er will, es schützt ihn der unsichtbarer Mantel der Profitgruppe. Der Zerstörer der Gesellschaft wird paradoxerweise oder eigentlich logischerweise dafür, dass er sein Ziel nicht erreicht hat, von der unzerstörten Gesellschaft mit Preisen überhäuft. Sofern er ein Geschäft ist. Und somit möchte ich auch meine Geschäftsstörung hier beenden. Denn was die Großrederei und die Geschäftemacherei angeht, habe ich mich schon vor Jahren Hahnrei genannt, der Betrogene. Die Abkürzung der Vornamen (HW) kann aber vor dieser Kulisse auch als Hanswurst gelesen werden.
Biografie: Hahnrei Wolf Käfer
Geboren 1948. Literarisch tätig seit 1960. Studium der Theaterwissenschaft, Germanistik und Philosphie, u.a. Unilektor in Japan.
He Fugu, alles im Butter? Du rufst mich Kugelfisch, du Ausgeburt einer Schrumpellorchel? Komm mir nicht so, du gedrungener Wulstling du, sonst setzt es eine gastrointensinale Intoxikation, quasi Verdauungsstörung, ich bin nämlich ein Faltentintling mit Hang zu Missgunstleistungen.
Ach, Scheiblettenkäse, lass uns lieber über Verschmelzung reden. In Ordnung, ist ja auch einer der angenehmeren Dienstleistungen.
Die Beckenbodengrundsatzdebatte muss aber noch geführt werden, dann. Meinetwegen.
Schneewechteneinfälle sind nicht die besten Ideen. Du sagst es und wer zu tief ins Gras schaut, hat zu lange Wein gebissen.
Was ich bisweilen nicht missen möchte, letzteres natürlich. Letztendlich ist alles eine Frage der Betrachtungsweise.
Richtig, ob gut oder scheiße, ist eine Frage der Betrachtungsweise. Das hat Lebensratgeberqualität, daraus muss was gemacht werden.
Was gemacht werden? Eine Einrichtung, eine Anlaufstelle, ein Buch oder ein Bürgerservice.
Also Geld.
Njein, sei nicht so fixiert. Mir geht es schon auch um das Ding und den Dienst. Wirklich wahr? Ich bin kein Betonpoller, ich habe auch Herz.
Hohlwangigkeit und Grundversehrtheit gepaart mit gespielter Bleifreimütigkeit, das hat dezidiert einen Alternativanstrich. Du verarschst mich.
Du verkapitalismusmüllst mich.
Zwiebelmaultaschen, ob das Gesinnungsderivat genug ist? Vor unvorgänglicher Zeit betrieben Köche in Kombüsen strenge Gummiwurstselektion... Ach was, Seemannsgarn, Schiffermär!
...schwenkten gigantische Kraken in der Pfanne... ...und im Pullauge näherten sich Freak-Waves, gegen die kein Schwappschutzdeckel der Welt ankam, mit Gischt am Kamm und Seebär Käptn Iglo im Gepäck. Erst aß er Fischstäbchen, dann mit Stäbchen aus kleinen Schüsseln und nun isst er direkt aus dem Gemüsekistel. Vom Erstsemestrigen über den Bettelstudent zum Bobo, auch eine Entwicklung.
Kalfater mal wieder! Selbstbewusstseinsschnitzel paniert man am besten mit Mehrwertmehl, Freiheitseiern und Abstraktionsbrösel Und das Bohnenkochwasser unbedingt nicht trinken! Ist so giftig wie rohe Bohnen. In den Abguss damit, sonst gibt’s Karussellerie im Magen. Ist ein Schriftsteller eine Mischung aus Zurschau- und Bittsteller?
Ein Schriftsteller ist auch eine Art Dienstleister. Kunst ist Dienst?
Kunst ist Leistung. Kunst ist Dienst an der Gesellschaft?
Kunst ist Dienst an der Gesellschaft und an Förderungseinrichtungen. Deine Beckmesserei nervt.
Ich beckmessere nicht. Unerheblichkeitsanhäufungen und Permanentbercircerei bringen uns auch nicht weiter. Er ein Verklemmthemdträger Sie eine Hosenanzüglichkeitsexekutiererin
Er ein prollig aufgegelter Lackaffe Sie eine billig aufgetuschte Halbschönheit
Beide breit und so weiter keine Zeit für Zärtlichkeit... ...und deshalb gleich direkt zur Sache...
...hopp-hopp-hopp-hopp-hopp-hopp, Hiobsbotschaft im Galopp... Ojeh, Dienstleistenbruch!
Unter Satire verstand man ursprünglich eine mit verschiedenen Früchten gefüllte Schale, eine bunte Mischung... ...aus Obstobskuritäten und einer Gemüsegemengelage...
...also satiren wir gerade. Gewissermaßen ja, wir dienstleisten aber auch. Wir belesen Zuhörwillige, Aufnahmebereite, Unterhaltungsgeneigte.
Und wir schweifen ab und zu gehörig rum... ...um den Brei...
...und die Brotlaibhaftigkeit eines Billa-Männerbrots unterscheidet sich von der des Billa-Frauenbrots vor allem durch die Grobschrötigkeit. Die Erkenntnis des Jahres und ein Produkt Jahrzehntelanger Trendforschungen.
Womöglich. Der neueste Trend in der Körperschmucksektion ist im Übrigen die Magenberingerei.
Und welcher Zusammenschluss verbirgt sich hinter der Abkürzung AVA? Der Augenauswisch-Verein-Allgemeinamputation?
Nein, die Anus-Vulva-Achse. Darum dreht sich vieles.
Wie auch um den Ball. Fußball: Eine Querpassposse. Aber noch nicht der Rede wert. Trix und Flix werden uns noch früh genug eine Dornenkrone im Auge sein... ...und uns ans Fernsehkreuz nageln...
und die Kommentatorenlanzenstiche der Fußball-Übertragungen werden uns den letzten Geist aushauchen lassen... ...und wir werden es nur durch Bier- und Chipszuspruch sowie Hirnbeurlaubung überstehen...
...und wir werden es, nein, wir werden verweigern. Verweigern?
Ja, wir leisten den Organisationsteams diesen Frondienst der Totalmanipulation nicht. Wir bieten ein Alternativprogramm an. Wir nehmen uns der ebenfalls Verzweifelten an. Wir nehmen die Fußballverweigerer aus?
Neinnein, ein Ausstiegsprogramm für Gleichgesinnte schwebt mir im Kopf herum, nichts Profitorientiertes. Ein Erfolgerichtigkeitskonzept mit grundguten Absichten. Ein Öhr, zwei Ohren und Zwirn auf der Stirn, das Schneiderlein ist verwirrt. Wie soll das gehen? Wart's ab.
(Einen Tag später.)
He Fugu, alles im Butter? Ja, alles fett, begib dich auf einen Gaumensegeltörn mit mir, lass dich auf ein Zungensaltinbocca ein. Meinetwegen
Exklusiv, erstmalig und nur für dich, mein Manifest „Der Verweigerwegbereiter“: Ich höre.
Ich kann Regen riechen, ich kann Schnee sniefen, ich bin Wetterfroschschenkelhaubenkoch
Ich kann Kreise quadrieren, ich kann Zeitabläufe minimieren, ich bin Wunderbarbaumann
Ich kann Blumen bestäuben, ich kann Honig kotzen, ich bin Translebewesenszug
Ich kann Weine kaltern, ich kann Beine altern, ich bin Veredelmagenbitter
Ich kann Häuser stürzen, ich kann Koteletts würzen, ich bin Plattenbaugrillmeister
Ich kann Schiffe knoten, ich kann Chilischotenmit den Fingern zer- und mir danach die Augen reiben, ich bin Sekretflusskapitän
Ich kann Hosen tragen, ich kann Mäuse jagen, ich bin Schmeichelmuskelkater
Ich kann Strom erzeugen, ich kann die Raumzeit beugen, ich bin Relativitätsenergiesparer
Ich kann Sünden vergeben, ich kann Partys beleben, ich bin Lasterlässlichkeitsanwalt
Ich kann Lappen jammern, ich kann mit Hämmern hammern, ich bin Wischwegwünschelrute
Ich kann Stammbäume stürzen, ich kann die Paradiesapfelzeit kürzen, ich bin Heiratsschwindelschlangenschwanz
Ich kann Dienste leisten, ich kann dienstags leischen, ich bin Vogelfreiberuf-Lichtschalter
Aus Okay, ich bin mit dabei.
Gut, dann sind wir schon zwei.
(Zu zweit)
Wir können Regen riechen, wir können Schnee sniefen, wir sind Wetterfroschschenkelhaubenköche
Wir könnenKreise quadrieren, wir können Zeitabläufe minimieren, wir sind Wunderbarbaumannfrau
Wir könnenBlumen bestäuben, wir können Honig kotzen, wir sind Translebewesenszüge
Wir könnenWeine kaltern, wir können Beine altern, wir sind Veredelmagenbitter
Wir könnenHäuser stürzen, wir können Koteletts würzen, wir sind PlattenbaugrillmeisterInnen
Wir könnenSchiffe knoten, wir können Chilischotenmit den Fingern zer- und uns danach die Augen reiben, wir sind SekretflusskapitänInnen
Wir können Hosen tragen, wir können Mäuse jagen, wir sind Schmeichelmuskelkatermiezen
Wir könnenStrom erzeugen, wir können die Raumzeit beugen, wir sind RelativitätsenergiesparerInnen
Wir können Sünden vergeben, wir können Partys beleben, wir sind LasterlässlichkeitsanwältInnen
Wir könnenLappen jammern, wir können mit Hämmern hammern, wir sind Wischwegwünschelruten
Wir können Stammbäume stürzen, wir können die Paradiesapfelzeit kürzen, wir sind Heiratsschwindelschlangenschwänze
Wir können Dienste leisten, wir können dienstags leischen, wir sind Vogelfreiberuf-Lichtschalter Aus
Fortsetzung und -pflanzung folgt hoffentlich. Schließt euch uns an. Bis dann.
(Abspann)
Kurzbiografie: Markus Köhle Geb. 1975, lebt und arbeitet in Innsbruck und Wien. Schreibt seit geraumer Zeit um sein Leben - www.autohr.at mehr...