Jazz

Festwochen Gmunden 21.7.15: Jazzkonzert "Breaking Point" Österr. Erstaufführung, China Moses & Band

Eva Riebler-Übleis
Legendär - Best of Jazz

Festwochen Gmunden 21.7.15
Stadttheater Gmunden, Jazzkonzert
„Breaking Point“, Österreichische Erstaufführung
China Moses & Band

China Moses ist mit wechselnder Band unterwegs. Spielte sie wie zuletzt im Februar 2014 im Festspielhaus St.Pölten noch mit dem französischen Jazzpianisten Rapha el Lemonnier, der die gesamte Orchestrierung für ihr Tribute-Album This One`s For Dinah 2009 bewerkstelligte, so ist in Gmunden am Piano & Keybord der diplomierte Jazz- und Studiomusiker Mike Gorman. Genauso hervorragend spielen der italienische Luigi Grasso am Alt- und Tenorsaxofon, der Londoner Drummer Jose Joyette sowie der gefragte sensible Bassist (electric & double) Bassist Neville Malcolm, der u. a. mit Billy Cobham bereits auftrat.

Eine tolle Band und eine äußerst liebenswerte, neckische China Moses, die nun nicht mehr in die Fußstapfen ihrer Lieblingssängerin Dinah Washington tritt, sondern bereits selbst zum großartigen Jazzidol avanciert. Bei ihren eigenen Lyrics und feinfühligen, musikalischen Emotionen bringt sie in das Gmundner Stadttheater eine Grennwich-Village-Stimmung vom Feinsten. Das Gmundner Publikum ist im ausverkauften Theater von der Verwirklichung ihres Zieles - Jazz und Soul ineinander fließen zu lassen und als jazz-storyteller den Jazz „souliger“ und den Soul „jazziger“ zu machen - begeistert.

„Breaking Point“ ist eine Preview auf ihr Album, das Anfang 2016 erscheinen wird und zeigt nun mehr ihren neuen intensiven Zugang und Stil. Sie vernetzt sich nicht nur digital sondern intensiv und lebendig den Zuhörern und schafft Vorfreude auf das neue Album und auf weitere Konzerte.

Ein rundum perfekter Auftritt!

Ein Jazzabend wie im legendären „Blue Note“! 

Bilder unter: http://www.festwochen-gmunden.at/Bildergalerie-2015.231.0.html

 

Festwochen Gmunden 21.7.15: Jazzkonzert "Breaking Point" Österr. Erstaufführung, China Moses & Band

36. Internationales Jazzfestival Saalfelden 27. bis 30. August 2015

Hand in Hand. Das Jazzfestival Saalfelden und ideenwerk präsentierten den neuen Auftritt.

Längst ist das Festival zum Fixpunkt des europäischen Jazzkalenders geworden, denn der Ruf als „Bühne für Freigeister“ eilt ihm schon lange voraus. Seit mehr als drei Jahrzehnten, immer pünktlich Ende August, treffen sich Musiker aus aller Welt in der 16.000 Seelenstadt inmitten der österreichischen Berge, um die Konzerthörer zu erfreuen. Von 27. Bis 30. August 2015 war es wieder soweit: Saalfelden wurde zum Nabel der europäischen Jazzwelt. An vier Tagen fanden 31 Konzerte an sechs Spielstätten statt. Die Programmgestaltung oblag in diesem Jahr abermals den beiden Intendanten Michaela Mayer und Mario Steidl, die das Auftragsprojekt bereits vergeben haben:
Maja Osojnik ist in Slowenien geboren, lebt und arbeitet in Wien als Musikerin und Komponistin. Sie bewegt sich musikalisch im Spannungsfeld von Jazz, zeitgenössischer Musik, freier Improvisation und Komposition. In welcher Besetzung sie auftreten wird, erfahren wir in wenigen Wochen.
Die wirtschaftliche Verantwortung trägt wie jedes Jahr der Tourismusverband Saalfelden und die interimistische Geschäftsführerin Katharina Auer. Die organisatorische Leitung des Festivals obliegt ab diesem Jahr der Kulturmanagerin Daniela Neumayer.

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Festwochen Gmunden 25.7.15: Jazzkonzert "Ricardo Cuba Sound Club"

Eva Riebler-Übleis
Jazz vom Feinsten von der Zuckerinsel!

Jazzkonzert
Festwochen Gmunden 25.7.15 Stadttheater
Ricardo Cuba Sound Club
Paul Zauner, Ricardo Hernández & Band

Paul Zauner, Klaviervirtuose & Posaunist, lädt sich gerne für seine Band neue Köpfe, seien es Pianisten, Saxophonisten oder Sänger ein. Diesmal war es der berühmte Latin Jazzer Jerry González, der in den 70ern bereits mit Dizzy Gillespie und Eddie Palmieris spielte. Leider versäumte er seinen Anschlussflug in Madrid und Paul Zauner machte dies Abwesenheit mit seiner Band wett und spielte Gängiges von Duke Ellington bis Telonius Monk. An seiner Seite war ja Clemen Salesny, der die JazzWerkstatt Wien leitet, mit Elliott Sharp, Joe Zawinul. Georg Breinschmid, Thomas Gansch u. a. arbeitete sowie Carlton Holmes aus Michigan am Piano, der mit Kenny Garrett, Lionel Hampton usw. zusammen spielte. Und außerdem waren Alex Meik am Bass - Mozarteumorchester Szb. …, der mit Lee Harper usw. konzertierte – und der berühmte Schlagzeuger Pepi Kramer, der der Brasilianischen Conga-musik sehr zugetan ist und beim karneval in Bahia gastierte.

Nach der Pause mischte der kubanische Sänger Ricardo Hernández ordentlich auf und brachte richtig viel Dynamik in die Band und ins Publikum. Seit drei Tagen ist er mit dieser Bandbesetzung unterwegs und gut eingespielt. Rumba Habana, Meringa erklang und ein Feeling wie im berühmten Wim Wenders Film Buena Vista Social Club breitete sich aus. Band und Sänger verdoppelten das Tempo und die Lateinamerikanischen Rhythmen rissen das Publikum zu wahren Beifallsstürmen mit.

Ein toller, bewegter Abend im Stadttheater Gmunden!

Fotoquelle: http://www.festwochen-gmunden.at/Bildergalerie-2015.231.0.html

 

Festwochen Gmunden 25.7.15: Jazzkonzert "Ricardo Cuba Sound Club"

Stadtmuseum; Jazz im Hof 2014. Rez.: Eva Riebler-Übleis

Eva Riebler-Übleis
Jazz unter Dach und Fach

Von 21. bis 23. August ging statt im Barock-Hof des Stadtmuseums im neuen St. Pöltener Frei.raum, Herzogenburgerstr. 12, das Festival "Jazz im Hof" regen- und kältesicher über die Bühne. Die gute Auswahl und die Organisation hatte wie seit Anbeginn Caroline Berchateau.

21. August, 19.30 Uhr
Where sparks start to fly
Ensemble GROOVE

Harry Sokal , Tenorsax
Raphael Wressnig, Hammond B3 Orgel
Alex Deutsch, Drums

22. August
1. Teil, 19.30 Uhr
Transylvanian Grooves
Nicolas Simion & Band
Nicolas Simion – Saxophon
Andreas Mayerhofer – Klavier
Christian Wendt – Kontrabass
Wolfgang Kendl – Schlagzeug

2. Teil, 21.15 Uhr
Silk and Salt
Louis Sclavis Quartet
Louis Sclavis – clarinet
Benjamin Moussay – piano, fender rhodes
Gilles Coronado – guitar
Keyvan Chemirani – percussion

23. August
1. Teil: 19.30 Uhr
Rising Star
Michaela Wandl, Gesang
Michael Hrúby, Klavier
Karl Sayer, Bass
Klaus Zalud, Schlagzeug

2. Teil: 21.15 Uhr
African Vibes
Sigi Finkel – sax, flute
Mamadou Diabaté – balafon, percussion
Juan Garcia-Herreros – bass
Abdulaye Dembele – balafon, percussion

 

Jeder Abend war gelungen und für Jazz-Liebhaber ein MUSS!

Das Ensemble Groove hatte den impulsiven Alex Deutsch aus Graz statt Lukas Knöfler wie im Vorjahr beim Jazz-Festival Saalfelden im Trio.! Gratulation – ein großer Gewinn!

Am zweiten Abend war Andreas Mayerhofer aus Krems am Klavier und vertrat Österreich unter den rumänischen Transylvanian Grooves,  die mit wirklich starken Kinderliedern, Tanzliedern und Jazz-Folklore vom Feinsten loslegten.

Besonders zum Kauf reizte die Vorwegnahme des CD-Verkaufbeginns (offiziell erst 25.8.) von Silk and Salt. Ein gelungenes Album mit 9 Melodien, von denen vor allem „Dance for horses“, „Des feux lointains“ sowie „Cortège“ begeisterte. Der Perser Keyvan Chemirani hinterließ wie Benjamin Moussay am Klavier mit seiner Fingerfertigkeit an den Drums einen unvergesslichen Eindruck! Dieser Abend war für viele Besucher der Höhepunkt!

Am dritten Abend war der Jungstar = Rising Star mehr als entbehrlich. Die Instrumentalisten mussten die Vokalistin tatsächlich stützen (rising) und durch die Takte vorsichtig geleiten, begleiten und tragen. Michael Hrúbi am Klavier und Karl Sayer am Bass hätten mit einem begnadeten Drumer oder einem Trommler wie der einheimische Werner Sandhacker ein ekstatisches Ensemble ergeben! Viel lieber hätte das Publikum auch den tollen African Vibes eine längere Zeitspanne zugehört, getanzt und Werner Sandhacker als Publikums-Star am Balafon beklatscht!

Eine tolle Veranstaltug! Ehrliche Gratulation und das Publikum erhofft sich unterm Jahr noch weitere Konzerte dieser hochkarätigen Jazz-Schiene im Frei.Raum!

Link: http://www.st-poelten.gv.at/Content.Node/freizeit-kultur/kultur/jazzimhof.at.php

35. Internationales Jazzfestival Saalfelden 28. bis 31. August 2014

Eva Riebler
Ein Festival, das lustvoll gegen den Mainstream schwimmt.

Bei der Eröffnung des Jazzfestivals durch Politiker und Veranstalter auf der MainStage wird eine erfreuliche Bilanz gezogen. Nach 35-jährigem Bestehen und einem Fast-Zusammenbruch 2006 sind die Finanzierung und somit der Fortbestand langfristig abgesichert. Die Unterstützungen konnten erhöht werden. Die MainStage-Veranstaltungen im Kongresscenter Saalfelden sowie die täglichen zwei ShortCuts im NEXUS sind voll ausgebucht.

Gratis wie jedes Jahr sind die Veranstaltungen auf der CityStage, die Konzerte im Zelt am Rathausplatz. Diese beginnen bereits am Donnerstag 18.30 Uhr mit dem Titi Robin Trio, anschlie߃ƒŸend mit der Budapest Bar, Freitag mit Fatima Spar & Jazzorchester Vorarlberg und Roy de Roy, Samstagvormittag mit 5/8erln in Ehren sowie Klangkombinat Kalksburg.

Kostenlose Konzerte werden je zwei Almkonzerte um 11 Uhr am Samstag (Nicolaj Efendi and the Red Wine Conspiracy, Cafe Drechsler) und am Sonntag angeboten auf Almen zwischen Saalfelden und Leogang (Alma, Stelzhamma) sowie eine Kinderbühne mit dem Kinderkonzert: Jakobs Manege.

Mit den Gratis-Events ist auch für nahe Wohnende oder Saalfeldner das Verständnis für mögliche Unbill (Sperrung des Rathausplatzes ..), die vielleicht so viele Konzertbesucher verursachen könnten, oder die Anbindung an Jazzmusik gegeben. So gewinnt ein internationales Festival auch die Herzen der Einheimischen.

 

Donnerstag 28.8.14 ShortCuts im Kunsthaus NEXUS
21:30 Uhr Hang Em High
Bond -2 String slide bass, low end modulation
Lucien Dubuis - Sax, Clarinets
Alfred Vogel - Drums, Pots & Pans & Junk Percussion

Dies war der Westerntitel der ersten CD, nun wird die zweite CD, die seit wenigen Tagen am Markt ist, vorgestellt. Titel: "Beef and Bottle". Mit Nice pieces, Circius Maximus, Adges oder The low high ist eine gute Mischung von zart bis kräftig, von lustvoller Interpretation und Soundvariationen gelungen. Ein guter Einstieg in das Festival!
 

23:00 Uhr Nels Cline & Marc Ribot
Nels Cline - Guitar, Marc Ribot - Guitar

Marc Ribot wird morgen als Solist und Nels Cline im Laufe des Fetivals mit Ben Goldberg spielen. In diesem Konzert geht Marc Ribot intensiv auf Nels Cline ein und wandert parallel, dann wieder kontrastiert er und endet schlieߟŸlich in den letzten beiden Pieces bei einer äußerst starken Klangplatte des Synthesizer-Noise. Keine Spur von Softtonic, ein unablässiges und sehr metallenes, verschliffenes Trommelfeuer.
 

Freitag 29.8.14 MainStage
19:00 Uhr Philipp Nykrin`s Wire Resistance, Österreich

Wie von der Festival-Organisation gefordert, bringt Nykrin als Starter auf der MainStage neue Kompositionen inklusive neuem Arrangement an Musikern auf die Bühne. Mario Rom - Trumpet, Fabian Rucker - Tenor Sax, Clarinet, Synthesizer, Stephan Kondert - Bass, Andreas Lettner - Acoustic, Electronic Drums.

An der Schnittstelle zwischen klassischem Jazz und Elektronik bringt Nykrin seine wohl temporierten, ruhigen Stücke. Er überbrückt die Gegensätze zwischen elektronischen und akustischen Sounds gekonnt. Teils kontemplatorisch teils luftig tragisch, stets inbrünstigen in der Interpretation.
 

20:30 Uhr Marc Ribot Solo "Protest Songs", USA

Marc Ribot ist in Saalfelden gern gesehen, er ist ein vielseitiger Musiker, der meint: Auf der Gitarre kann man auch spielen! Nun im Gegensatz zum vort&aaumlgigen Elektronik-Jazz auf der Gitarre, begleitet er seine Protestsongs mit der einfachen Gitarre. Dass das keine schlichten Songs wie bei Bob Dylan sind, ist klar. Er bricht die Strukturen des Liedhaften und des Textes, witzelt und ist dialektisch unterwegs. Im Mittelpunkt seiner Vorlagen und handschriftlichen Aufzeichnungen, die wie achtlos verstreute Papierschnitzel anmuten, sitzt er und erzählt lakonisch, wogegen er protestieren möchte. Zum Beispiel gegen "The Empire State Building", gegen die "White People", die sich selber mit ihren Abbildungen oder in den Movies beklatschen und so attraktiv finden. Auf diesen Protestinhalt kam er beim Anschauen eines Hollywoodfilms von Julia Robert, den er ohne Ton im Flugzeug hörte. Sein skurrilster Songtext war der Anti-Santa-Claus Song. Santa Claus als Motherfucker und Kinderschänder ist wohl etwas Neues! "Presents I like sometimes" als Schlusszeile bricht dann die Beleidigungen an den Wheinachtsmann. Genauso verhält sich der Inhalt seines Songs, handelnd von einer mexikanischen Frau, die ihren/einen Mann aufs Gröbste betitelt und beschimpft und trotzdem mit ihm zusammen ist.

Dazu passen seine persönlichen Protestsongs "Beeing Insane" und "I´m a Pilgrim of Sorrow", "Protest against my Body". Dieser letzte Song ist wie der "Master of the Internet" aus seiner CD "Ceramic Dogs" entnommen. Man höre - auch gegen Brücken kann man sein: "Against Bridges" ist gegen die Brooklyn-Bridge, in seiner Heimatstadt NY.

Seine Songs leben nicht von den Gitarreklängen und nicht von seiner tollen Stimme, sondern vom Text: Auf Österreichisch würden wir sagen, seine irrwitzigen Inhalte leben von Schmäh & Schmähung!
 

22:30 Uhr Amir ElSaffar Quintet "Alchemy", USA, Norwegen, UK

ElSaffar, überbrückt zwei Kontinente: 1977 in Chicago geboren, suchte 2002 im Iran die Wurzeln seines väterlichen Erbes und verband in seiner Two River-Music€ beide Musikströmungen. Hier auf der MainStage brachte er exzellenten ausgewogenen Jazz mit einem unheimlich talentierten Saxofonisten, mit Ole Mathiesen, auf dessen Klänge man wartete und dem man viel länger und öfter gern gelauscht hätte. Ein Lied brachte die Reminiszenz an den Irak in diesem ruhigen, levantinischen Maqam-Stil. Ein kraftvolles, großartiges Konzert!
 

23:20 Uhr The Young Mothers, USA, Norwegen

Eine tolle, lautstarke Performance des norwegischen Bassisten Ingerbrit Haker-Flaten und seinen Musikern aus Austin und Texas. Zum ersten Mal in "good old europe" spielend brachten sie wirklich eine unorthodoxe Mischung, die an die 70er Jahre genauso wie an Rap oder Hip-Hop erinnerte. Wunderbar exzessiv malträtierte Jonathan Horne mit dem Geigenbogen seine Gitarre und Haker-Flaten sein Bassinstrument! Man dachte: Keine Spur von Konsens oder Homogenität und doch fügten sich und fanden die Instrumente wieder klanglich zusammen eine wunderbare Überbrückung und Zusammenführung!

Eine varianten- und zitatreiche Vorstellung, die wirklich extrem wild, frech und hervorragend war! Disziplin in Lautstärke und Konzept war trotzdem vorhanden. Will man das junge Publikum anziehen ann auf diesem gelungenen Weg.
 

Samstag 30.8.14
15:30 Uhr Mühlbacher´s USW, ֖–sterreich

Die 17-köpfige Band spielt seit 1997 und gab eine grandiose Vorstellung zwischen Noise, Klang und perfektem Rhythmus. Immer wieder Reibungsflächen und dann ein groߟartiger homogener Ensembleklang!
 

17:00 Uhr Ben Goldberg Quintett "Unfold Ordinary Mind" USA

Viele Titel aus der Geometrie, wie "Elliptical", "Parallelogramm" machten neugierig auf die Umsetzung. Der Aufbau war stets ausgewogen und geometrisch angelegt. Ben Goldberg gab mit seiner Klarinette dem Gittaristen Nels Cline oder seinem Lieblings-Saxophonisten Rob Sudduth sein Kontra. Der stete Zusammenklang aller Instrumentalisten nach einem Soli ergab einen vollen, choralartigen Klang.
 

18:30 Uhr KAZE "Tornado", Quartett aus Japan, Franc
Satoko Fujii/P, Natsuki Tamura/Tr, Christian Pruvost/Tr, Peter Orins/Dr

Ein wunderbares minimalistisches Konzert! Die Instrumente erklangen als Tierstimmen, fauchten oder miauten wie Katzen, muhten, blökten, vibrierten ungestüm, gaben einander Antwort oder redeten durcheinander. Ein ausgelotetes Tonarsenal, das aus dem Hintergrund zuerst verhalten klang, sich entfesselte und in den Vordergrund drängte. Akustischer Jazz in voller Breite, aufregend, spannend und dynamisch!
 

21.30 Uhr Henry Threadgill "Ensemble Double-Up", USA
In Remembrance of Lawrence D. "€œButch" Morris "Old Locks and Irregular Verbs"

So frei und oft fröhlich sich die Solostimmen in den vorangegangen Konzerten entfalten konnten, so beengend und ernst geht es nun auf der Bühne zu. Threadgill ist der Prototyp eines Masters of Conductor. Autoritär führt er sein 7-köpfiges Ensemble, im ersten Akt vom Stehpult seitlich und dann mittig dirigierend. Die Hommage an den im letzten Jahr verstorbenen Butch Morris ist ihm ein Anliegen. Dieser hatte keine Noten, keine Partitur sondern 32 vereinbarte Zeichen mit seinen Instrumentalisten ausgemacht. Threadgill benützte ebenso bloß grafische Aufzeichnungen und keine Noten im klassischen Sinn dies ist sein Widerstand. Vielleicht ist auch sein sparsames, sporadisches Eingreifen in das Ensemble-Geschehen Programm des Widerstandes. Das gleichzeitige Kontrastieren z. B. der beiden Pianisten (Jason Moran, David Virelles) im gemeinsamen "Double Up" ist Umsetzung des Namens sowie Programm! Das Einhalten der Form hat Vorrang und siegt dann stets mit oder ohne Eingreifen Threadgills über den individualistischen Cuts. Daher vielleicht weniger lustvoll, dafür kompositorisch geschlossen!
 

Die anschließenden Konzerte: 23:20 Uhr Erik Friedlander "Black People", USA, Japan und 00:50 Uhr Roy Paci & Corleone "Blaccahenze" mit seiner 6-köpfigen Band aus Italien waren sicher hochkarätig, fielen jedoch leider der Müdigkeit der Rezensentin zum Opfer.
 

Sonntag 31. 8. 2014, 14:00 Uhr
Gradischnig/Sax, Nagl/Sax, Herbert/Bass, Vatcher/Dr "A Day in My Life"

Der Beatles-Song diente als Konzept und Assoziations-Vorlage für eine Reihe von kurzen harmonischen Pieces, die jeder der 4-köpfigen Band entwarf. Max Nagl steuerte mehrere kurze Stücke,wie z.B. "unterwegs", "half hours" oder auch "Roy Nest", das Nestroy gewidmet ist, bei. Facettenreich und jeweils individuell geprägt, steht meist ein Instrument im Vordergrund, auf das sich die anderen einlassen. Das Altsaxophon tauscht sich mit dem Tenorsaxophon aus und Michael Vatcher antwortet einfühlsam mit den Drums. Bei "half hours" oder "Traumschlaf" denkt man an eine romantische Reise. Das Elegische, die gleichförmig aufgebaute Melodie, z.B. auch in der Zugabe mit dem Titel "€žbipolare Nachtruhe", wird stets wieder abgeschüttelt und lustvolle Rhythmen und Klänge herrschen vor.
 

15:45 Uhr Sylvie Courvoisier Trio "Double Windsor", Ch, USA
Sylvie Courvoisier/P, Drew Gress/Bass, Kenny Wollesen/Drums

Auch hier ist der Dialog der Instrumente angesagt! Ein Aufeinander-Eingehen und harmonische Linienführung sind ein Muss! Nuancenreiche, akzentuierte Klänge in ä„uߟerst raschem Tempo. Gratulation der Klaviervirtuosin!!
 

17:30 Uhr Get the Blessing "Lope and Antilope", England
Jim Barr/ Bass, Jake McMurchie/Sax, Pete Judge/Trump, Clive Deamer/Dr

Englisch diszipliniertes Spiel im schwarzen Anzug, kräftig, zwar laut, aber nicht furios! Das erste und das letzte Stück "Cake" überzeugten in ihrer subtilen Abweichung von den übrigen besonders!
 

19:30 Uhr Stirrup "Sewn" USA
Fred Lonberg-Holm, Nick Macri, Charles Rumback

Das Trio entstand aus der Band Horse´s Ha. Der Name Stirrup heißt bezeichnender Weise Steigbügel. Der Galopp war sozusagen vorprogrammiert und äuߟŸerst intensiv und gleichbleibend wie gleichförmig. Durch den ständigen starken Elektronik-Einsatz war der Klang stets "psychedelic", jedoch etwas stereotyp von Anfang bis Ende durchgestylt!
 

20:50 Uhr Trio Joachim Kühn invite Archie Shepp "Voodoo Sense"
Germany, USA, Morocco, Spain
Archie Sheep/Sax, Joachim Kühn/ P, Majid Bekkas /Guembri, Vocals, Kalimba, Balafon, Ramon Lopez/Drums, Percussion

Joachim Kühn hatte in den frühen 60ern bereits als einer der Ersten NY besucht und dort wie Archie Shepp John Coltrane kennen und lieben gelernt. Beide spielen intensiv die Kadenzen rauf und runter und laden zur Bewegung ein. Das Saxophon positioniert sich immer wieder selber und nimmt sich diskret zurück, um andere Instrumente in den Vordergrund zu lassen. "Nina", eine Kostprobe aus der neuen CD, in der Archie Shepp mit Joachim Kühn am Piano spielen wird, fand begeisterten Anklang beim Publikum.

Dass dies das Highlight des 35. Jazzfestivals war, versteht sich von selber! Ein freudiger Tribut an den Afro-Amerikanischen instrumentalen Jazz der guten alten Zeit! Die Singstimme Majid Bekkas zu seiner Guembri gab dem Konzert die epische nordafrikanische, marokkanische Note!

Joachim Kühn genauso wie Satoko Fujii und Sylvie Courvoisier waren das Publikum begeisternde Klaviervirtuosen mit extrem schnellen Tempi.

 

Ein glanzvoller Schlusspunkt für eine heuer besonders gelungene Auswahl der internationalen Spitzenklasse-Musiker, Musikgruppen und Musikarrangements!

Die zahlreichen weiblichen wie männlichen Klaviervirtuosen sowie das widerständische Kontrastieren und anschließende Brückenschlagen waren sicher ein gelungenes Markenzeichen des heurigen Jazzfestivals.

Jazzfestival-Saalfelden, ein auch organisatorisch bestens betreutes Festival, das man so in Österreich nicht findet!