Bühne

30.01.2020 19:30 Uhr Premiere Landestheater, Figaros Hochzeit, aber nicht die Oper

Eva Riebler

FIGAROS HOCHZEIT, aber nicht die Oper
Die Geschichte eines revolutionären Friseurs

Nach W. A. Mozart und Lorenzo Da Ponte

30.1.20, 19.30 Uhr Premiere Landestheater Gr. Saal
Nach Friedrich Hebbel

Nur sechs Schauspieler: ein wunderbarer Tilman Rose als revolutionärer Figaro, eine kecke, spritzige Marthe Lola Deutschmann als Susanne, ein starker, mächtiger Michael Scherff als Graf Almaviva, Katharina Haindl als Gräfin mit wunderbarem Sopran, Andreas Thiele als Cherubin und Antonio mit Falsett-Stimme und die Neuentdeckung Boris Fiala in weiblicher Rolle als Marcellina mit Wiener Dialekt.

Stets eine Überraschung parat hat diese witzige Inszenierung von Philipp Moschitz.

Mozarts Welt und seine Intention gegen adelige Privilegien anzuspielen und zu singen geht voll auf. Es ist trotz toller Frisuren und Aufmachung beileibe kein theatralischer Kostümschinken, sondern schuldet unserer Zeit das Amüsement mit Witz und großem Tempo.

Eine Pause (Spieldauer 1 St. 30 Min.) ist gar nicht von Nöten, da das Interesse und die Spannung ununterbrochen gehalten werden.

Ein wunderbare Erneuerung eines Stückes von Pierre-Augustin Caron de Beaumarchais mit eingestreuten Arien aus Mozarts Oper!

Unbedingt ansehen!

Landestheater 14.02.2020 Premiere "BLACK" von Luc Perceval

Eva Riebler

Landestheater 14.2.2020
BLACK

Von Luc Perceval

In seiner Trilogie „Black“, „Yellow“ und „Red“, den belgischen Nationalfarben, verarbeitet Regisseur Luk Perceval die Geschichte und Identität Belgiens. Der erste Teil „Black“ befasst sich mit dem kolonialen Erbe im Kongo. Bei der Berliner Kongo-Konferenz 1884/85 wurde dem belgischen König Leopold II der Kongo als Privatbesitz zugesprochen. Damit begann für die Bevölkerung des rohstoffreichen Landes ein Martyrium schrecklichen Ausmaßes: mit ungeheurer Brutalität wurde die gesamte Bevölkerung für die Kautschukernte herangezogen. Leopold II war verantwortlich für grausamste Menschenrechtsverletzungen. Im Mittelpunkt der bildstarken und musikalischen Inszenierung steht der afroamerikanische Missionar William Henry Sheppard, der dies dokumentierte und Aufmerksamkeit schuf für ein Verbrechen, das in Belgien bis heute weitgehend verdrängt wird.

„Percevals Theaterinstallation will letztlich Versöhnung und inszeniert im Schlussbild den Traum vom Schwarze und Weiße verbindenden Stammesritual, befeuert vom furiosen Theatermusiker Sam Gysel.“ DEUTSCHLANDFUNK

Das NTGent gehört aktuell zu den wichtigsten Theaterhäusern Europas.

In flämischer, englischer und französischer Sprache Mit deutschen Übertiteln.

Mit Aminata Demba, Tom Dewispelaere, Andie Dushime, Frank Focketyn, Yolanda Mpelé, Nganji Mutiri, Peter Seynaeve, Chris Thys

Inszenierung Luk Perceval Bühne Annette Kurz Kostüme Ilse Vandenbussche Dramaturgie Steven Heene Musik Sam Gysel

Österreich-Premiere Fr, 14.02.2020, 19.30 *  

Festival Grafenegg, 16.8 - 8.9.2019 European Union Youth Orchesta

Eva Riebler

Festival Grafenegg 16. 8. Bis 8. 9. 2019
European Union Youth Orchestra
mit Andreas Ottensamer/Klarinette und Stéphane Denéve/Dirigent Abendkonzert 18.8.2019
Peter Rucicka: Fanfare f. Solotrompete und Orchester, Auftragswerk 2019

Dieses zarte Auftragswerk, in dem eine Fanfare als Kontrapunkt zum Orchester von seitlich oben erklingt, ist sehr entbehrlich und erfüllt nicht die Erwartungen an den für Musik Adventure bekannten Composer in Residenc des Grafenegg Festivals 2019. Ein schwacher Klang, der zu Mahlers Fünfter hinführen soll, aber nur kläglich versickert und keine Lust vermittelt.

Ganz im Gegensatz dazu die beiden weiteren Stücke: Mozarts Klarinettenkonzert und Mahlers Fünfte:

Ein furioser Klang! Ungestüm, temperamentvoll und beweglich konzentrieren sich die jungen Musiker/innen und liefern ein Klangwerk, das befeuert und einzigartig in dem voll besetzten Wolkenturm erklingt!

Wirklich monumental und großartig!

Die sich gegenseitig inspirierenden jungen Musiker/innen legten nach dem unbändige Freude ausdrückenden Finale im anschließenden Late Night-Konzert auf offener Bühne im Reitstall nochmals Zeugnis ab von ihrem Können und ihrer mitreißenden Impulsivität!

Ein großartiges und bewundernswertes Jugendorchester!

4.5.2019 Premiere Landestheater St. Pölten Ödipus/Antigone von Sophokles

Eva Riebler

„Es ist nicht alles Gold, was glänzt“
Ödipus/Antigone
von Sophokles

4.5.2019 Premiere Landestheater St.P. Gr. Haus
Ödipus/Die Alten – Michael Scherff, Priester/Diener7Hämon – Tim Breyvogel. Kreon – Bettina Kerl, Tiresias/Jokaste/Wächter/Bote – Silja Bächli, Chor/Bote/Ismene – Tilman Rose, Magd/Antigone – Hanna Binder.

Klavier/Piano - Johanna Borchert auf einem FEURICH-Flügel; gesponsert von der KLAVIER-Galerie

Golden glänzen die kettenhemdartigen Kostüme im eher dunklen Bühnenraum. Auf der Drehscheibe haben alle Protagonisten, optisch sorgsam platziert, Stellung bezogen und das Aufdeckungsspiel beginnt. Wer ist Ödipus, welche Verbrechen sind ihm anzulasten und wie straft er sich selbst – so kurz wäre der erste Teil abzuhandeln. Er gerät jedoch mit über 1 ½ Stunden auch für die Klassik erprobten Zuschauer zu lang. Die klassischen Texte erfordern durch ihre Syntax und Semantik die ganze Aufmerksamkeit. Die klassische Variante des Bühnenspiels ohne Spektakel und Pathos, ohne Wechsel der Kostüme oder des Bühnenbildes ist einerseits wohltuend und dem Ernst des Inhalts geschuldet, andererseits einlullend stereotyp und lässt auch keine Zeit/keinen Raum für den Gegenwartsbezug (Fremder, Heimkehrer, Inzest, Einsicht-Buße …). Da hätte Alia Luque seine Inszenierung stark kürzen und raffen müssen und das Risiko des Verlustes der klassischen Authentizität eingehen müssen.

Der 2.Teil: Antigone lässt mehr den Bezug zwischen Missbrauch der Macht durch Kreon und den Werten wie Freiheit, kulturellen/religiösen Tradition (die traditionellen Bestattung des Bruders Polyneikes durch Antigone) oder Wille der Bürger (Demokratisches Bewusstsein) zu. In der Antigone kommt nun  im Gegensatz zum Ödipus dem Wissen um die Schuld eine größere Bedeutung/Schwere zu.

Die Schauspieler leisten Großartiges, verwandeln sich trotz der universalen Kleidung in andere Figuren und entkommen der aufgesetzten Sterilität oder Stereotypie der Rollen ohne Klamauk oder Pathos. Die Liebe zum Detail, zur sparsamen Gestik und verhaltenen Mimik ist bewundernswert!

Beherrschend, stimmungsangebend ist Klavier und Gesang von Johanna Borchert. Ihre herausragenden Impressions-Jazz-Harmonien begleiten und verbinden. Ihr Ideen- und Inspirationsreichtum mit ihrer großen Palette der Klänge und Töne verwandeln die Szene in großes griechisches Theater und entheben die Schauspieler des Heroischen! Bewundernswert! Hörenswert!

Noch zu sehen und zu hören bis 5.6.2019

 

24.1.2020 Festspielhaus St. Pölten Ballet BC Vancouver: Busk / Bedroom Folk / Solo Echo

Eva Riebler

Festspielhaus St. Pölten
24.1.2020
Ballet BC Vancouver: Busk/ Bedroom Foolk/ Solo Echo


Drei Tanzchoreografien aus den Jahren 2009, 2015 und 2012 von drei Choreografinnen: Aszure Barton, Sharon Eyal und Crystal Pite zu völlig differenten Musikstücken von Camille Saint-Saens bis Brahms Cellosonaten in e-Moll oder F-Dur brachte Abwechslung und doch einen geschlossen Rahmen der Methode der Körperarbeit. Drei weibliche Choreografinnen, aus einer Generation kommend, haben ähnliche Position der Sichtweise, der Kreativität und des Spektrums der Einzelchoreografie in Beziehung zum Gesamtensemble.

Im Hintergrund zieht die vierte Frau, die Leiterin des BC Balletts Vancouver – Emily Molnar – die kunstsinnigen, künstlerisch hochwertigen Fäden. Sie kommt aus dem William Forsythe Ballett aus Frankfurt, das jedes Jahr im Festspielhaus zu Gast ist. Die heutige Performance kam aus Frankfurt, dann Köln auf unsere Bühne. Das Repertoire Molnars ist mit 45 Stücken weit gespannt und kommt auf viele Weltbühnen und rettete das BC Ballet vor 10 Jahren vor dem Bankrott.

Die letzten Zeilen des Textes des dritten Stückes, das in einer besonderen Atmosphäre des Winters (sichtbar durch ständiges Schneien im Bühnenhintergrund) spielt, stehen für die Ideen Molnars. Und zwar für die Betonung des menschlichen Individuums, das die Freiheit, das Potential zur Entwicklung haben und sich selbst finden und lieben soll:

„ … and you find yourself/ where you will be at the end,/ tell yourself/ in that final flowing of cold through your limbs/ that  you love what you are.“ (aus dem Gedicht „lines for Winter“ von Mark Strand.

Schöner und tiefgehender kann kein Ballettabend sein!

Ein toller Abend in einer bereits mit Highlights angefüllten Woche des Festspielhauses St. Pölten:

Am Montag 17.1.ein unvergesslicher Abend mit dem Tonkünstlerorchester bei Dvorak und Tschaikowskis Nussknacker, Am Freitag 24.1. das Vancouver Ballet und am nächsten Tag am Samstag 25.1. aus GB das einzige Ukulele Orchester mit sieben Spielern, die mit echt britischem Humor und herausragenden Stimm-Einlagen  das Publikum zu tosenden Beifallsstürmen verleitete!

Wie schön, dass wir ein so internationales, mit Qualität gespicktes Programm des Festspielhauses St. Pölten (zu wirklich moderaten Preisen!) genießen dürfen/können!!