Bühne

Festspielhaus St. Pölten 20.11.2019, "Jazz meets Klassik"

Eva Riebler

"Jazz meets Klassik"
Festspipelhaus St. Pölten 20.11.2019

Tonkünstler plugged In
TIME FOR THREE. Keith Lockhart

Ein phänomenales Jazztrio (Nicolas Kendall, Charles Yang, Ranaan Meyer) = The Three! Und als Gast an den Drums Matthew Scarano - eine tolle Ergänzung zu den Tonkünstlern unter Keith Lockhart (BBC, Dirigent des Boston Pop orchestra, und künstlerischer Leiter des Brevard music center in Nord Carolinausw.) Jazz ist wirklich Ausdruck von Freiheit und Freude. Daher waren besonders passend die von Nick Kendall kreierten Songs of Joy! Die Stücke der Band sind stets eine ungewöhnliche Mischung aus Stilen, Traditionen und Varianten von vokal und instrumental. Ihre schnelle Wandlungsfähigkeit und ausdrucksstarke Präsenz auf der Bühne steigern die Lebhaftigkeit und lassen weder Sterilität noch klassische Distanz aufkommen! Die Plugged-In Reihe der Tonkünstler hat wieder souverän funktioniert und brachte Schwung ins Publikum und in die Tonkünstler Instrumentalisten! Ein großartiges treffen von Jazz auf Klassik!

Festspielhaus St. Pölten, 9.11.2019 Janoska Ensemble. Thomas Gansch: REVOLUTION- FROM VIENNA TO LIVERPOOL

Eva Riebler

Von Beethoven bis Cole Porter

9.11.2019

Janoska Ensemble

Thomas Gansch: REVOLUTION- FROM VIENNA TO LIVERPOOL




Die drei Brüder Janoska und ihr Schwager Julius Darvas waren in der Oper von Sidney oder in New York in der Carnegie Hall und nun sind sie gutgelaunt für zwei Stunden bei uns in St. Pölten im Festspielhaus. Das Können auf der Violine oder die Töne des dunklen, warmen Kontrabasses und die enorme Geschwindigkeit auf den Tasten des Klaviers werden mit ungläubigem Staunen goutiert. Ihr Debütalbum von 2016 hatte sehr bald Gold-Status errungen und nun tragen sie aus dem zweiten Album von 2019 vor. Von Bach bis Beethoven und vom Kinderliedlein bis zu den Beatles, Georg Kreisler oder Cole Porter Kompositionen geht die Bandbreite. Hervorragend auch die eigenen Kompositionen, die sie z.T. für ihre Söhne komponierten. (z.B. ganz humorvoll und großartig das Stück „Prinz“ von Roman Janoska!)



Mit diesem bewegten Quartett kann nur der berühmte St. Pöltner Trompeter Thomas Gansch mithalten. Er peppt die überbordende Stimmung nochmals auf und verjazzt die ehrwürdige „Für Elise“ von Ludwig van Beethoven, dass es nur so sprüht!



Auch „Yesterday“ und „Let it be“ von den Beatles werden jazzig im vollen Sound und Schweiß vorwärts getrieben! Unvorstellbar launige Interpretations-Häppchen wechseln einander ab und  wenn das Publikum auf Ermüdungserscheinungen wartet, wartet es umsonst. Augenkontakt, Spielfreude und Können sind hier beispielslos vereint!



Einfach ekstatisch, wundervoll und unvergesslich!

 

©Eva RIebler

Schiller ohne Schiller!

Eva Riebler

Landestheater NÖ St. Pölten 12.9.2019
Der Parasit oder die Kunst, sein Glück zu machen
Komödie von(!?) Friedrich Schiller, nach Louis-Benoit Picard
Koproduktion mit dem Stadttheater Klagenfurt
Inszenierung: Fabian Alder
Bühne: Tommy Garvie
Kostüme: Johanna Lakner

 

Vorweg genommen: Wenn Schiller drauf steht, muss nicht Schiller drin sein! Obwohl es ein rasantes Stück des Aufbegehrens a lá „Die Räuber“ aus der Sturm und Drang Zeit, gegen Korruption und Missbrauch, gegen weltliche Autorität und für die Rechte der Bürger ist.

Schiller wurde von seinem Gönner Herzog Carl August v. Sachsen-Weimar mit der Übersetzung von Stücken des in Weimar bekannten Picards, 6 Jahre nach dessen Entstehung, beauftragt und hat aus Alexandrinern glatte Prosa gemacht. Ein großer Verdienst. Allerdings kein Grund das Publikum glauben zu lassen, sie sähen einmal sogar eine Komödie vom deutschen Klassiker himself.

Eine wunderbar dramaturgisch über die Bühne gebrachte Komödie ist es tatsächlich, dank der Kostümierung und der Regie, gepaart mit großartiger Komik der Schauspieler.

Der großgewachsene aalglatte Selicour, der entlarvt werden soll, ist durchaus mit heutigen Politikern vergleichbar. Natürlich wirkt er auf der Bühne göttlich schleimig und flexibel und kann gar nicht genug Applaus bekommen! Alle Schauspieler verdienen vom ersten Auftritt bis zum letzten das größte Lob!

Die Inszenierung Alders hat vor allem gegen Ende des Einakters großartige zeitgeistige Einsprengsel: Es geht Schlag auf Schlag: „ Wir brauchen Einkehr und Besinnung! – Keine politisch gerichtete Pseudopolitik! -Dieser Kulturpessimismus geht mir so auf die Nerven! – die Kulturmafia hat die Kultur, die sie kritisiert erst selbst gemacht!“ Da das Stück ein schlechtes Ende für den kriechenden, mittelmäßigen Aufsteiger Selicour, der die Arbeiten Untergebener unter seinem Namen veröffentlicht, nimmt; kehrt auf der Bühne Gerechtigkeit ein. „ Aus den Mündern der Schauspieler tönt es aber:  „Gerechtigkeit gibt es nur auf der Bühne!“ und die Macht des Wortes soll auch heute zuschlagen: „Ich plane ein Theaterstück!“.

So ist der Einstieg durch Inszenierung/Dramaturgie in die Gegenwart sowie in die neue Spielzeit grandios gelungen! Applaus!

Festival Grafenegg, 16.08. - 08.09.2019

Eva Riebler

European Union Youth Orchestra mit Andreas Ottensamer/Klarinette und Stéphane Denéve/Dirigent Abendkonzert 18.8.2019

Peter Rucicka: Fanfare f. Solotrompete und Orchester, Auftragswerk 2019


Dieses zarte Auftragswerk, in dem eine Fanfare als Kontrapunkt zum Orchester von seitlich oben erklingt, ist sehr entbehrlich und erfüllt nicht die Erwartungen an den für Musik Adventure bekannten Composer in Residenc des Grafenegg Festivals 2019. Ein schwacher Klang, der zu Mahlers Fünfter hinführen soll, aber nur kläglich versickert und keine Lust vermittelt.

Ganz im Gegensatz dazu die beiden weiteren Stücke: Mozarts Klarinettenkonzert und Mahlers Fünfte:

Ein furioser Klang! Ungestüm, temperamentvoll und beweglich konzentrieren sich die jungen Musiker/innen und liefern ein Klangwerk, das befeuert und einzigartig in dem voll besetzten Wolkenturm erklingt!

Wirklich monumental und großartig!

Die sich gegenseitig inspirierenden jungen Musiker/innen legten nach dem unbändige Freude ausdrückenden Finale im anschließenden Late Night-Konzert auf offener Bühne im Reitstall nochmals Zeugnis ab von ihrem Können und ihrer mitreißenden Impulsivität!

Ein großartiges und bewundernswertes Jugendorchester!

GRAFENEGG Sommerkonzerte 10.8.2019 „MARIMBA MAXIMAL“ The Wave Quartett 20,00Uhr TK-Orchester NÖ

Eva Riebler

Unter der Leitung v. Yutaka Sado
Isaac Albéniz, Tango „Espana“
Astor Piazzolla, „Aconagua“ Konzert f. Bandoneon und Orchester
Arturo Márquez, „Danzón“ f. Orchester
Avner Dormann, „Spices, Parfumes, Toxins!“ f. Schlagwerk und Orchester
Pjotr Iljitsch Tschaikowski, „Capriccio Italien“


Der Abend, wegen Kälte und Regen leider im Auditorium, stand vor der Pause unter dem Zeichen des Tangos. Einmal ganz sanft vom Klavier (Albéniz) ertönend und dann rhythmisch bewegt (Piazzolla) und weiters furios, populär mit kubanischen Wurzeln, mit Congas, Claves und Kürbis (Danzón).

Dorman hat seine drei Stücke jeweils individuel, duftend nach Gewürzen, Bazar oder Lärm/Geschrei und großer Aufregend für Orchester plus Schlagwerken komponiert. Eine wilde Achterbahnfahrt mit großem Ensemble oder Duetten, Soloinstrumenten und lautem, übersteigertem Grande Finale lässt Obsession und frenetische Steigerungen erklingen. Der Publikumsbeifall war ebenso frenetisch!

Das bekannte, heitere Stück „Capriccio Italien“ lässt keinerlei Schlussfolgerungen auf Tschaikowski zu. Er benützte das europäische Repertoire der Melodien, der Tänze und Volkslieder. Für den gelernten Österreicher ein wahrer Genuss mit Fanfaren, Pauken und Trompeten!

Ein mitreißender Abend!

Schade, dass das Auditorium nicht so klanggewaltig wie der Grafenegger Wolkenturm die Rhythmen verbreitet! Die starken Marimbas und Schlagwerke des Wave Quartets wie die wechselnden Klänge des großen Orchesters sind im engen Raum akustisch nicht so exklusiv übermittelbar.