Buch

Die Inseln. Nach 16 B.l.vl. Wolfgang Seierl. Rez.: Roswitha Klaushofer

Roswitha Klaushofer

Die Inseln
Nach 16 B l. v. Wolfgang Seierl
Edition Tandem 2017
978-3-902932-76-1

Weite statt Enge. Nach dem Lyrikband „Hinter dem Scheibenglas“ (Edition Tandem 2014) mit eigenen Zeichnungen hat nun Roswitha Klaushofer, Lyrikerin und Musikerin aus Zell a. See/Szbg. einen Gedichtband nach 16 losen Blättern von Wolfgang Seierl zusammengestellt. W. Seierl, geb. 1955 Wien, studierte Musik in Wien/Szbg.und Malerei an der Akademie der bildend. Künste Wien und hat mit der Lyrikerin die Musik als Verbindungsglied. Als Anregung zu seinem Zyklus diente ihm „Les Iles“ von Jean Grevier aus dem Jahre 1991. In diesem Werk geht es genauso um innere Inseln, Inseln der Befindlicheiten, Angste, süchte etc. Die 16 ausgewählten Bilder W. Seierls zeugen von Bewegung und Bewegtheit, sind skizzenhaft, stimmungsvoll und frei. Geprägt vom Strich, der zusammen und auseinander strebt, setzt der Farben in Beziehung. Seine Malerei ist abstrakt und frei, d.h. sie entziehen sich der direkten Interpretation und Deutung und können daher nur zu Texten finden, die ebenfalls auslegbar, interpretierbar nach allen Richtungen sind. Und so gestaltet R. Klaushofer stets ihre Zeilen. Ihr ist genauso das Offene, das Weite statt dem Engen wichtig. Ihre Texte sind ernsthaft und nehmen die Stimmung der Vorlagen auf.

Im wahrsten Sinne des Wortes drückt sie in ihren Miniaturen auch die Bewegung aus. Wenn sie schreibt: Leuchtturminsel I: Wir bewegen uns//bewegen uns immer noch/auf die leuchtende Insel zu. Und II: In der Dämmerung/Schwimmender/ein Leuchtturm/dessen Licht erloschen//einmal/und nicht mehr.

Klaushofer weiß um die Verletzlichkeit der Sprache und der einsamen Verhältnisse und schreibt in: Insel der Einsamkeit: Wirbellos/das zersprungene Wort/an der Brandung. Und in der Textminiatur Insel des letzten Menschen heißt es: Still/ schleicht der Wind//klappt auf/klappt zu. Einerseits, glaubt man, ist es ein Buch für Eilige, denn die Texte sind kurz, jedoch dauert die Erfassung von Zeilen und Bild lange und brennen noch länger nach.

Fazit: Großartig! Ein sehr dichtes, empfindsames Werk!

Erwin Javor: Ich bin ein Zebra. Rez.: Eva Riebler-Übleis

 

Eva Riebler
Wissen öffnet.

Erwin Javor
Ich bin ein Zebra
Eine jüdische Odyssee
Wien: Amalthea 2017
978-3-99050-092-7

Wie kann man ein Buch über das Schicksal von Juden lesen? Müssen wir als Kinder/Enkel der Kriegsgeneration uns nicht diesem Auftun an Gräuel verwehren, um nicht in den Verdacht zu kommen, Gefallen am Leid zu finden? Warum ist die Judenverfolgung und Not, Krieg und Flucht wie aus einer fernen Welt, wenn täglich Massen an Flüchtlingen nach Europa strömen?

„Wir hätten da niemals mitgemacht“, können wir schließlich auch nicht wirklich behaupten!

Akzeptanz und Wissen über das Schweigen zu stellen, hilft.

Und warum ist dieses Werk, der Aufzeichnung der Wege vom Schtetl nach Budapest, von dort nach Wien und Israel, das beste? Weil das Leben im Schtetl nicht verklärt sondern erbarmungslos mit all seiner Enge, Verachtung anderen Juden gegenüber und seinen Fallstricken geschildert wird. – Und – jetzt kommt Wesentliches: durchwirkt ist mit vielen Anekdoten und jüdischen Witzen.

Der jüdische Witz ist nicht einfach lustig bis humorvoll. Wir lachen bei unseren Witzen stets auf Kosten anderer, Hier werden Witze gemacht gegen übermächtige Gegner, gelacht wird ironisch über sich selbst oder aus Selbstzweifeln. Außerdem geht es um kreative Lösungen, um Wortwitz und Doppelbödiges: „Zwei Juden aus Österreich treffen sich in den 40er Jahren in NY. Fragt der eine: “wie geht`s dir in der Neuen Welt, im Lande der unbegrenzten Möglichkeiten?!“ Sagt der andere: „was soll ich sagen? Dankbar – und unglücklich.“

Neben den, ich glaub 100, jüdischen Witzen gibt es Wissenswertes zu lesen, über die Differenzierung der Juden innerhalb des Schtetls in Wien in Atheisten, Agnostiker, Reformjuden, Drei-Tages-Juden, Orthodoxe aller Schattierungen – sowie, dass z.B. Liederfürsten Hermann Leopoldi ursprünglich Herschel Kohn und Robert Gilbert – David Robert Winterfeld hießen. Auch das meist gespielte „White Christmas“ ist von Israel Isidore Beilin geschrieben.

Unsere Kultur ist durchwirkt vom jüdischen Nährboden. Und dieses Buch zeigt uns Wurzeln und Wissenswertes und lässt uns lachen, lachen, lachen!

Erwin Javor: Ich bin ein Zebra. Rez.: Eva Riebler-Übleis

Paul Lahninger: Hörst du, was der Baum dir erzählt. Rez.: Eva Riebler-Übleis

 

Eva Riebler-Übleis
Was ein Großvater seinen Enkeln mitgeben will.

Paul Lahninger
Hörst du, was der Baum dir erzählt …

Wilhering OÖ, Bayer-Verlag, 2017
978-3-902952-58-5

Paul Lahninger hat selbst fotografiert, gezeichnet und getextet. Es war ihm wichtig, den Naturschutz und die Liebe zu den Bäumen weiter zu geben. Er verbrachte drei Jahre als Lehrer in Papua Neu Guinea und ist in Salzburg Erwachsenenbildner und Psychotherapeut.

Dieses Kinderbuch richtet sich an Erstklässler oder eignet sich hervorragend als Vorlesebuch.

Spannend nimmt er die Kinder mit auf die Reise vom Samenkorn bis zum Baumriesen.

Ein Baum erzählt einem lauschenden Jungen seine Vergangenheit: „Ich fiel einst vor fünfhundert Jahren/ als winziger Same zur Erde/ und hab` noch im Fliegen erfahren,/ dass ich einst ein Baumriese werde.“

Der Autor vergisst nicht auf das Umsorgen der Baumeltern: „Ich wuchs in den Sommern so wunderbar,/ mein Stamm wurde kräftig und echt./ Ein Ring wächst dazu jedes neue Jahr,/ die Baumeltern füttern mein Wurzelgeflecht.“ Er erklärt, dass die Bäume heilig sind, uns atmen lassen und wichtig für Klima und Regen sind und dass es ohne Pflanzen uns Menschen nicht gäbe.

Im Anhang bietet er für jung und Alt Erklärungen über Ur-alt und riesig, Ur-wald, Ur-gesund usw. aus Peter Wohllebens Buch: das geheime Leben der Bäume an.

Er schließt dieses äußerst liebenswerte Kinder-Natur-Buch mit den Worten: „Für uns Menschen sind Bäume geheimnisvolle und wunderbare Lebenswesen.“