Jazz

39. Internationales Jazzfest Saalfelden, 23. bis 26. 8. 2018

Eva Riebler

Mehr Avantgarde als Tradionell!

39. Internationales Jazzfest Saalfelden 23. bis 26. 8. 2018

Mit 40 Konzerten an den bekannten Plätzen der Main Staige im Congress-Haus, des Nexus und im Zelt des City-Stage fand diesmal wiederum mit 3 Almkonzerten um 11 Uhr, einem City Tracks in der Buchhandlung und einem im Museum Schloss Ritzen sowie einem Kinderkonzert das aufwändige Jazz-Ereignis statt.

Längst schon hat die digitale und Syntisizer-Welt Einzug gehalten, jedoch erfreuen die traditionellen Jazzkonzerte, oft ohne Notenblatt, die Besucher besonders. Wenn der Rhythmus mitreißt, wird Musik nicht nur im Kopf spürbar. Die vom langen Sitzen ermüdeten Gelenke beeilen sich mitzumachen, und das erfreut Herz und Seele!

So geschehen bei Elliott Sharp, der fast Richtung Blues wechselte. Dies unterbrach jedoch stets die klare, kalte Stimme im rezitativen Gestus von Hélène Breschand. Schade vielleicht, denn die Kraft des Imaginären und der Entgrenzung käme bei der milden Männerstimme besser durch als bei der Schärfe der streng strukturierten Frauenstimme.

Die Stil-Zerstückelung war auch bei den drei weiblichen Stimmen des Eröffnungskonzertes Ulrich Drechslers „Liminial Zone“ Thema: Yasmin Hafedh stand für den rezitativen Teil eines Poetry Slams im Gegensatz zum klassischen colorativen Sopran Özlem Buluts und der Stimme Clara Luzias. Leider war meist jeder für sich am Mikro, als dass der Gegensatz im Gemeinsamen aufgelöst worden wäre.

Die Soundlandschaften, die im Eröffnungskonzert entstanden, waren genauso im folgenden Konzert von Virta, betitelt: „Hurmos“ aus Finnland ereignisreich und wohltuend. Intensiv und vielschichtig in Inszenierung und Kang!

Öfters wurde in diversen Konzerten Rhythmus und Harmonie auf Kosten von Entgrenzung und Hall oder wie bei Leila Martials „Baa Box“ durch Inszenierung und nervöse Behämmerung aufgegeben. Es ist nicht alles produktive Reibung, was ästhetische Vorstellungen hintan stellt oder mit besonders rasanter Geschwindigkeit und hoher Lautstärke einherkommt. Jedoch gelingt das Wegtriften in weite Sphären und weg vom klassischen Rahmen dann besonders gut.

Zurück holt einen dann Marc Ribot „Songs of Resistance“ mit seiner eigenen Stimme und Stimmung seiner Protestsongs. Er ruft Gott an, denn die Erde brennt, er sieht die soziale und demokratische Verantwortung des Künstlers und gibt ihr seine Stimme. Er überstrapaziert nicht die Inhalte wie Hélène Breschand, die mit einem gerufenen „Je t`aime“ glaubt alles gesagt zu haben.

Die Saxophonisten, bzw. Trompeter wie der herausragende Jaimie Branch, der exellente Bassklarinettist Ziv Taubenfeld von Kuhn Fu sowie die souveränen und ideenreichen Ralph Alessi und Taylor Ho Bynum der Truppe Tomas Fujiwara waren stets unverzichtbar, ganz wunderbar jedoch die Dreierbesetzung der Saxophone Shabaka Hutchings aus London mit drei Österreichern in der Gruppe. Dies war eines der allergrößten Offenbarungen! Ein Genuss! Und das um 00.30 bis 01.20 früh! Wie so oft, hat sich das Ausharren auf das sechste/letzte am Samstag und auf das fünfte Konzert des Abends am Sonntag , und zwar auf Erik Friedlander´s  „Artemisia“ gelohnt!

Ein Hochgefühl bleibt!

Jazz im Hof, 16. bis 18.8.2018: „Base Blowers“. Rez.: Eva Riebler

Eva Riebler

Jazz im Hof, 16. bis 18.8.2018
„Base Blowers“
Stadtmuseum St. Pölten
Prandtauerstraße 2, 3100 St. Pölten

Um es vorweg zu nehmen – nicht nur vom gleichzeitig statt findenden  Frequenzi hört man bis in die Stadt St.P. laute Bässe – auch bei Jazz im barocken Hof des Stadtmuseums St.P. geben die „Base Blowers“ sanft und ekstatisch ihr Bestens.

Vier Bands und zwei Solisten (die Sängerin Jelena Poprzan und der berühmte Tuba-Spieler Jon Sass) spielten grandiose Eigenperformances. Der schon einmal aus Frankreich extra eingeflogene Michel Portal führte auf Klarinette wie Saxophon mit seinem Trio PPP seine exzellenten Kompositionen vor, die wie französische Klang-Spaziergänge an der Seine wirkten oder die bei den drei Stücken „Kinds Of Walz“, fröhliche Bewegung intonisierten.

Auch Michiru Ripplinger bot mit Clemens Hofer an der Posaune und Wolfgang Kendl am Schlagzeug als TRIOBOOT Eigenkompositionen - sehr zarte, minutiöse Klänge – die ihrer Betitelung als „Comfort Zone“ völlig Recht gaben. Außerdem hatte TRIOBOOT den weltberühmten Jon Sass als TRIOBOOT FEAT FRIENDS eingeladen, ohne ihn namentlich ins Programm zu schreiben – acht Stücke: Vom „Chicken“-Lied zum Liebesduett, dann zur Kubanischen Klassik, (La Musa von Elvis La Rossa M.), vom „Spectrum of Walk“ zum „Base Blowers Club“ - ein Ereignis, eine Überraschung! Man glaubt den Worten Jon Sass: „Ein Leben ohne Tuba ist möglich aber sinnlos!“

Den Abschluss des Reigens brachte das NENAD VASILIC TRIO, das am Klavier den von Vorjahren bereits bekannten Pianisten Bojan Z aufwies. Wiederum ein Ereignis höchster Güte mit dem Kontrabassisten Nenad Vasilic und dem Schlagzeuger Jarrod Cagwin, die mit balkanesken Stücken bis zum letzten Bass-Song melodiös Stimmung erzeugten und die Klavier-Solis Bojan Z`s optimierten!

Gratulation dem Kulturteam der Stadt St.P. unter der Intendanz von Caroline Berchotteau - Herausragend!

Gregory Porter

Eva Riebler-Übleis
Es gefiel ihm und uns …

Festspielhaus StP 16.10.15
Gregory Porter

Gregory Porter gefiel das große Festspielhaus mit dem Schwarz-Weißen Sitzakzent und dem Publikum sein Gesang und seine großartigen Instrumentalisten. Es ist sicher selten, dass er nach den Zugaben ein zweites Mal mit seinem Pianisten auf ein weiteres Lied auf die Bühne zurückkehrt. Seine Themen erstreckten sich von Liebe bis Freundschaft usw. und waren teilweise dem neuen, nach „Be Good“ 2012 seinem dritten, Album „Liquid Spirit“, das 2014 den Grammy erhielt, entnommen.

Seine Lieder waren von bekannter großartiger Qualität, Ruhe und Tiefe. Seine Musiker einzigartig in ihren Soli, vor allem der berühmte Altsaxofonist Yosuke Sato ist ein/der Meister seines Faches – es wäre wirklich ein eigenes Album wünschenswert!

Ein tolles Programm! Ein tolles Konzert!

Sicher ist am 7.11. beim Auftritt des Saxofonisten Maceo Parker wiederum das Haus richtig voll.

Der Jazzsuchtfaktor steigt!