Bühne

DEMIAN v. Herman Hesse 1.10.2020

Eva Riebler

Landestheater St.P. in Tulln im EGON SCHIELE Museum 1.10.2020, 18 Uhr

DEMIAN, die Geschichte einer Jugend v. H. Hesse

Klassenzimmertheater

Regie Anna Marboe (Absolv. des Max Reinhardt Seminars)

Mit Philip Leonhard Kelz (Absolv. des Max Reinhardt Seminars)

 

Vertrauen statt Angst

Das Landestheater expandiert. Gerade für das Klassenzimmertheater ist eine weitere Schulstadt wie Tulln passend gewählt. Leider war das Interesse für so ein zeitgemäßes tolles Stück für die Unter- wie Oberstufe viel zu gering! Es hätte wirklich Aufmerksamkeit und Interesse verdient, denn die modern adaptierte Spielweise eines 100 Jahre alten Werkes, wie die überaus große schauspielerische Leistung von Philip Kelz würde die Jugend mitreißen und beeindrucken.

Wenig Requisiten und gezielter Musik-Einsatz erhöhen die Glaubwürdigkeit der Handlung, die im Inneren der Hauptperson Emil Sinclair stattfindet. Erwachsen zu werden ist nicht leicht und daher ist ein Freund und Ratgeber, ob erdacht oder tatsächlich als Max Demian anwesend, von großer Bedeutung. Er gibt Ratschläge: „Jeder muss selber finden, was für ihn verboten oder erlaubt ist.“ – „Hast Du Angst, räumst du jemandem Macht über dich ein.“ – „In uns ist einer, der alles weiß, alles besser macht, als wir selber!“. Demian ist die Stütze für Sinclair – und – sinnvoll auch mit Gehstütze, mit Gehstock als Requisite verdeutlicht.

Die Selbstsuche ist zentrales Thema, das Fragen aufwirft, wie: „Warum ist es so schwer, das zu leben, was aus einem heraus will?“ – vermehrt jedoch kommen deutliche Antworten: „Die Dinge, die wir sehen, sind die, die wir in uns tragen.“ – „Es ist falsch, der Welt etwas geben zu wollen. Ich bin ein Wurf der Natur, um nichts als mich selbst zu suchen, um zu mir selbst zu kommen.“

Ja – Die Botschaft kommt  beim Publikum an: Es gibt keine Wirklichkeit, als die, die wir in uns tragen!

Ein zeitgemäß adaptiertes Theaterstück mit hervorragender Schauspielkunst von Philip Kelz dargeboten, dem wir wirklich viele Veranstaltungen in Schulen wünschen!

 

Landestheater St.P. Saisoneröffnung 2020

Molière SCHULE der FRAUEN

Landestheater St.P. Saisoneröffnung 2020

Molères SCHULE DER FRAUEN  18.9.2020

Übersetzt von Hans Weigel in der Fassung von Ruth brauer-Kvam (Inszenierung).

Arnolphe – Tilman Rose, Agnés – Laura Laufenberg, Horace – Philip Leonhard Kelz, Alain, Enrique, altes Weib und Notar – Tim Breyvogel, Georgette, Oronte, Notar – Tobias Artner,Uranie – Emilia Rupperti, Climène – michael Scherff, Musikerin – Ingrid Oberkanins.

 

Vertrauen statt Ketten für die Liebe/Liebenden

Das Theater als Stätte der Obsession, Frauenpower in einem Molière-Stück (einmal im barocken Ballkleidchen und einmal im Frack mit Gehstock & Zylinder) – das hat das Publikum nicht erwartet!

Eine furiose Aufführung in rasantem Tempo mit spritzigen Dialogen! Das Konzept der Übertreibung wirkt sich nicht überdehnt zum Klamauk aus, sondern ist erfrischen und mitreißend! Die Hauptcharaktere üben sich in der Kunst der Verstellung, z. B. der konservative Macho Arnolphe im blauen Peelz – außer sie sind so naive wie die Ziehtochter Agnès, die sich vor lauter Ehrlichkeit und Einfalt im positiven Sinne gar nicht verstellen kann. „Was soll an der Liebe schlecht sein, wenn sie doch so gut tut?!“,meint sie und hat somit das Recht auf ein Happy End verbucht!

Es ist ein Emanzipationsstück und die Polarisierung ist natürlich stark gezeichnet, jedoch auch der selbstsüchtige Macho wird mit seinem falschen Dominanzdenken nicht verteufelt, sondern sorgt für Überraschung und belebt das Stück kontrapunktisch. Der, der sich nicht der Lächerlichkeit preisgeben will, wird der gefeierte Verlierer. Wieso gefeiert?: Sind wir nicht auch oft einer Geschlechterstereotype aufgesessen oder haben sie inhaliert und vergessen sie aufzulösen oder am Eingang ab zu geben?

So gesehen, könnten wir dieses Molière-Stück als Besserungsstück einreihen. Nicht für die Hauptfigur (die lernt wenig dazu), aber hoffentlich für uns als Zuseher und Genießer dieser Inszenierung!

Nach und anscheinend während Corona ist so eine niveauvolle Theateraufführung wirklich Nahrung für die ausgehungerte Seele, den Geist und die Augen.

Der Zuschauer will wirklich alles, aber alles – inklusive jedes Paukenschlages von Ingrid Oberkanins mitbekommen und hat viel und in rasantem Tempo zu Bewundern und zu erleben.

Auf einer Skala von 1-10 bekommt die Inszenierung, Dramaturgie, Schauspielkunst mit Bühne & Kostümen die Ziffer 100!

Eine kunstvolle, humorvolle Darbietung!

Eva Riebler, Litges

Grafenegg Festival 2020 14.8. bis 6.9.

MNOZIL BRASS 4.9.2020 Wolkenturm

Grafenegg Festival 2020 14.8. bis 6.9.

MNOZIL BRASS 4.9.2020 Wolkenturm

„GOLD – MIT ABSTAND DAS BESTE“

Zum letzten Wochenende noch ein kräftiges Blechbläser-Ensemble mit Thomas Gansch, Roman Rindberger, Robert Rother – Trompete/Flügelhorn, Leonhard Paul, Gerhard Füssl -  Posaune/Basstrompete, Zoltán Kiss Posaune und Wilfried Brandstötter in der Tuba.

Eine kongeniale Zelebration des 28. Geburtstages der Mnozil Brass-Band, die einst, in den frühen 1990er Jahren im Wiener Mnozil Gasthaus ihren Namen fanden!

Die größten Superhits, die besten Gags – vom Zehen und mit beiden Händen jeweils ein Instrument bedienenden Blechakrobaten bis zum Blinden, der den Zugbügel der langen Posaune als Blindenstock verwendet (Leonhard Paul)  …spielen sie dem Publikum alles vor, was dem Irrwitz, gepaart mit absoluter Instrumentalbeherrschung  dient. Die Lachmuskeln werden strapaziert und trotzdem ist die Blasmusik Hauptbestandteil. Von der Volks-Blasmusik zur erfolgreichen Kabarett-Musiktruppe! Der Weg ging schnell! Nur 5 Jahre Aufbau und Feilen am Best of – und schon gibt’s kein Zurück! Das Publikum würde es nicht ertragen, nicht in 2 Minuten von den Melodien des Ave Marias (mit Mund-Nasen-Maske gesungen bis gesummt) zu Bonanza bis Heidi, deine Welt sind die Berge oder von: My Pony is over the Ocean zu einem Sirtaki geführt zu werden.“

„I can´t give you anything but love!“ – ertönte nicht nur, sondern kann als Antwort des berauschten Publikums gesehen werden! Großartig!!

Eva Riebler, LitGes

Festival 2020 Grafenegg Wolkenturm 15.8.2020

ALICE SARA OTT UND DAS TONKÜNSTLER-ORCHESTER ·

 

15.8.2020

ALICE SARA OTT UND DAS TONKÜNSTLER-ORCHESTER ·

Alice Sara Ott Klavier  

Krzysztof Urbanski Dirigent

 

WOLFGANG AMADEUS MOZART Konzert für Klavier und Orchester C-Dur KV 415

 LUDWIG VAN BEETHOVEN Symphonie Nr. 5 c-Moll op. 67

 

Nach der wegen Regen abgebrochenen Eröffnung des Festivals am Vortag, war dieser zweite Abend ein großartiger Start in die bis 6. Sept. dauernden Grafenegger Festivalwochen!

Alice Sara Ott spielte mit einer Leichtigkeit und Eleganz und wurde durch rauschenden Beifall zu einer Zugabe animiert. So wie Amadeus in einem Brief an seinen Vater 1782 schrieb, war er der Meinung, dass Konzerte ein Mittelding zwischen zu schwer und zu leicht sein sollen, zwischen unverständlich und verständlich … . Und so schwankte er im C-Dur Konzert auch zwischen triumphaler Marschmusik mit Trompeten und Pauken und rondoartiger Leichtigkeit und wehmütigen c-Moll Partien. Der Schluss ist hingegen des Einsatzes des ersten Allegro-Satzes und den Erwartungen des Publikums nicht festlich laut sondern leise perlend abklingend.

Beethovens Symphonie wurde mit kräftigen Paukenschlägen effektvoll angestimmt und war wohl nach Beethovens „Eroica“ eine weitere Stellungnahme gegen den Kaiser Napoleon. Er leitete die in allen Stimmen vertretenen Achtelnoten aus der französischen Revolutionsmusik, der „Hymne au Panthéon“ ab. Spannend und den politischen Umsturzgedanken spürend wurde die Symphonie bis zum letzten Ton vom Tonkünstler-Orchester prägnant und liebevoll gespielt. Kontrastreich und zügig gebracht, vor allem die fünf Kontrabässe, die Posaunen und die Piccoloflöte und das Kontrafagott im Finale. Ein Triumpf des ausgedehnten Finales, das beschwingt das Publikum entlässt. Atemberaubend!

Der junge Dirigent aus NL führte die Musiker leicht, exakt und stimmungsvoll durch die Einsätze und Sätze.

Ein wahrer Kunstgenuss, kraftvoll und voll Frische, schwungvoll und berauschend!

Mag. Eva Riebler

 

 

Jazz im Hof St.P. August 2020

Liberti/Riebler

 Jazz im Hof Festival St. Pölten
Auch zu Corona-Zeiten 2020

 

Das Jazz im Hof Festival in St. Pölten schafft jedes Jahr ein Programm voller musikalischer Grenzgänge und musikalischer Visionen – rund um internationale und nationale Ikonen des Jazz, junge Wilde, rund um unterschiedliche Stilrichtungen und rund um Ungeahntes wie Ungewöhnliches. St. Pölten ermöglichte auch 2020 ein Aufeinandertreffen der KünstlerInnen aus Nah und Fern. „Als klar war, dass wir wieder auf die Bühnen dürfen, haben wir innerhalb kürzester Zeit ein Programm auf die Beine gestellt, dass musikalischen Optimismus auf die Bühnen zurückgeholt hat“, freut sich die künstlerische Leiterin Caroline Berchotteau über den erfolgreichen Jazz im Hof-Reigen, der sich von 20. bis 22. August mit 6 Konzerten zu Buche geschlagen hat.

 

Eröffnet wurde das Festival durch das belgisch-französische Duo Philip Catherine und Kevin Seddiki. Der Gitarrist Philip Catherine ist eine europäische Jazzlegende, der nicht zuletzt wegen seines unbestechlichen Gespürs für Zeit, selbst atemberaubende Tempo-Passagen relaxt und locker wirken lässt. Nicht weniger Saitenzauber an diesem Abend vollbrachte Seddiki. Er war es auch, der Catherine immer wieder zurück an die Jazzgitarre holte, wenn der zwischendurch heitere Anekdoten zum Besten gab.

 

Der Ausnahmekünstler Krzysztof Dobrek reiste für das Abendprogramm beim zweiten Konzert mit seinem Akkordeon durch sein persönliches Polen. Und das in einer für ihn bislang unbekannten Formation: Mit Jelena Popržan (Viola, Gesang), Christoph Pepe Auer (Klarinette, Saxophon), Alexander Lackner (Kontrabass), Ingrid Oberkanis (Schlagzeug, Perkussion) als musikalisches Umfeld, schaffte Krzystof einen präzisen wie musikalisch stimmungsvollen Klangbogen, der das Publikum begeisterte. 

 

Schwerpunkt Improvisation: Es gibt wohl kaum noch etwas, das man über den Klarinettist Louis Sclavis nicht schon geschrieben oder gesagt hätte. Der Franzose erweitert sein Universum immer mehr, überschreitet etablierte Genres und Stile, tastet sich vor, um dann auf Bekanntes und Traditionelles zu treffen. Sclavis brachte am zweiten Konzertabend sein 13. Soloalbum „Characters On A Wall“ live auf die Bühne. Mit ihm eine Instrumentalkonstellation, die der Klarinettist schon seit langem nicht mehr benutzt hatte: Benjamin Moussay am Piano, Sarah Murcia am Bass und Christoph Lavergne am Schlagzeug. Ein Jazzgenuss mit zweifacher Zugabe.

 

Der US-amerikanische Tubist Jon Sass präsentierte ein Programm mit einer vielfältigen Mischung afroamerikanischer Musik und bewegte sich zwischen Jazz, Funk, Soul, R&B und Hip-Hop. Begleitet wurde der „Tausendsassa an der Tuba“ von Angus Bangus Thomas am Bass, Alex Deutsch an den Drums und von Geri Schuller an den Tasten. Der Sänger Ola Egbowon war die Überraschung des Abends. Die wohl souligste Stimme Österreichs brachte Emotionen nonstop von der Bühne direkt ins Publikum. Das Programm war George Perry Floyd Jr. und dem Ruf nach Gerechtigkeit für Afroamerikaner gewidmet.

 

Am dritten Abend wechselte das Jazz im Hof Festival wetterbedingt in den frei:raum

St. Pölten. Um 19.30 startete Andreas Schaerer stimmgewaltig, gilt der Schweizer doch als einer der interessantesten Gesangskünstler der Musikszene weltweit. Und mit Luciano Biondini am Akkordeon, hat der Stimmjongleur nicht nur seine „anima gemella“ – Seelenverwandten – gefunden, sondern auch ein perfektes Gegenüber für musikalische Zwiegespräche. Das, was dort auf der Bühne abging, war ein feuriger Dialog in den verschiedensten Stimmlagen und Stilen, gepaart mit Beatboxrhythmen und Geräuschen. Biondini verstand es perfekt, die polyphon übereinander getürmten stimmlichen Instrumente Schaerers mit Eigenkompositionen und leidenschaftlichen canzoni zu verstärken. Bravo.

 

Mit einer Reise durch Ahnenklänge und modernen Jazz, die von Standing Ovations aus dem Publikum begleitet wurden, verabschiedete sich das Jazz im Hof Festival 2020. Für das Projekt „Dream Weavers“ haben sich drei internationale Jazzgrößen zusammengefunden, die im Stande sind, sich von den archaischen Stimmen der Insel Sardinien bis zur traditionellen Musik Vietnams musikalisch auszudehnen – und auch vor den Liedern Ägyptens bis zum Jazz Manouche nicht Halt machen. Der sardische Saxophonist und Polyinstrumentalist Gavino Murgia, der französische Gitarrist und Bassist Nguyên Lê sowie der herausragende Perkussionist und Tabla-Spieler Prabhu Edouard haben es verstanden, mit vielfach kontrapunktierenden melodischen Varianten und Rhythmik zu begeistern.

 

Wir gratulieren Caroline Berchotteau zu diesem tollen Programm!