Bühne

Festival 2020 Grafenegg Wolkenturm 15.8.2020

ALICE SARA OTT UND DAS TONKÜNSTLER-ORCHESTER ·

 

15.8.2020

ALICE SARA OTT UND DAS TONKÜNSTLER-ORCHESTER ·

Alice Sara Ott Klavier  

Krzysztof Urbanski Dirigent

 

WOLFGANG AMADEUS MOZART Konzert für Klavier und Orchester C-Dur KV 415

 LUDWIG VAN BEETHOVEN Symphonie Nr. 5 c-Moll op. 67

 

Nach der wegen Regen abgebrochenen Eröffnung des Festivals am Vortag, war dieser zweite Abend ein großartiger Start in die bis 6. Sept. dauernden Grafenegger Festivalwochen!

Alice Sara Ott spielte mit einer Leichtigkeit und Eleganz und wurde durch rauschenden Beifall zu einer Zugabe animiert. So wie Amadeus in einem Brief an seinen Vater 1782 schrieb, war er der Meinung, dass Konzerte ein Mittelding zwischen zu schwer und zu leicht sein sollen, zwischen unverständlich und verständlich … . Und so schwankte er im C-Dur Konzert auch zwischen triumphaler Marschmusik mit Trompeten und Pauken und rondoartiger Leichtigkeit und wehmütigen c-Moll Partien. Der Schluss ist hingegen des Einsatzes des ersten Allegro-Satzes und den Erwartungen des Publikums nicht festlich laut sondern leise perlend abklingend.

Beethovens Symphonie wurde mit kräftigen Paukenschlägen effektvoll angestimmt und war wohl nach Beethovens „Eroica“ eine weitere Stellungnahme gegen den Kaiser Napoleon. Er leitete die in allen Stimmen vertretenen Achtelnoten aus der französischen Revolutionsmusik, der „Hymne au Panthéon“ ab. Spannend und den politischen Umsturzgedanken spürend wurde die Symphonie bis zum letzten Ton vom Tonkünstler-Orchester prägnant und liebevoll gespielt. Kontrastreich und zügig gebracht, vor allem die fünf Kontrabässe, die Posaunen und die Piccoloflöte und das Kontrafagott im Finale. Ein Triumpf des ausgedehnten Finales, das beschwingt das Publikum entlässt. Atemberaubend!

Der junge Dirigent aus NL führte die Musiker leicht, exakt und stimmungsvoll durch die Einsätze und Sätze.

Ein wahrer Kunstgenuss, kraftvoll und voll Frische, schwungvoll und berauschend!

Mag. Eva Riebler

 

 

Jazz im Hof St.P. August 2020

Liberti/Riebler

 Jazz im Hof Festival St. Pölten
Auch zu Corona-Zeiten 2020

 

Das Jazz im Hof Festival in St. Pölten schafft jedes Jahr ein Programm voller musikalischer Grenzgänge und musikalischer Visionen – rund um internationale und nationale Ikonen des Jazz, junge Wilde, rund um unterschiedliche Stilrichtungen und rund um Ungeahntes wie Ungewöhnliches. St. Pölten ermöglichte auch 2020 ein Aufeinandertreffen der KünstlerInnen aus Nah und Fern. „Als klar war, dass wir wieder auf die Bühnen dürfen, haben wir innerhalb kürzester Zeit ein Programm auf die Beine gestellt, dass musikalischen Optimismus auf die Bühnen zurückgeholt hat“, freut sich die künstlerische Leiterin Caroline Berchotteau über den erfolgreichen Jazz im Hof-Reigen, der sich von 20. bis 22. August mit 6 Konzerten zu Buche geschlagen hat.

 

Eröffnet wurde das Festival durch das belgisch-französische Duo Philip Catherine und Kevin Seddiki. Der Gitarrist Philip Catherine ist eine europäische Jazzlegende, der nicht zuletzt wegen seines unbestechlichen Gespürs für Zeit, selbst atemberaubende Tempo-Passagen relaxt und locker wirken lässt. Nicht weniger Saitenzauber an diesem Abend vollbrachte Seddiki. Er war es auch, der Catherine immer wieder zurück an die Jazzgitarre holte, wenn der zwischendurch heitere Anekdoten zum Besten gab.

 

Der Ausnahmekünstler Krzysztof Dobrek reiste für das Abendprogramm beim zweiten Konzert mit seinem Akkordeon durch sein persönliches Polen. Und das in einer für ihn bislang unbekannten Formation: Mit Jelena Popržan (Viola, Gesang), Christoph Pepe Auer (Klarinette, Saxophon), Alexander Lackner (Kontrabass), Ingrid Oberkanis (Schlagzeug, Perkussion) als musikalisches Umfeld, schaffte Krzystof einen präzisen wie musikalisch stimmungsvollen Klangbogen, der das Publikum begeisterte. 

 

Schwerpunkt Improvisation: Es gibt wohl kaum noch etwas, das man über den Klarinettist Louis Sclavis nicht schon geschrieben oder gesagt hätte. Der Franzose erweitert sein Universum immer mehr, überschreitet etablierte Genres und Stile, tastet sich vor, um dann auf Bekanntes und Traditionelles zu treffen. Sclavis brachte am zweiten Konzertabend sein 13. Soloalbum „Characters On A Wall“ live auf die Bühne. Mit ihm eine Instrumentalkonstellation, die der Klarinettist schon seit langem nicht mehr benutzt hatte: Benjamin Moussay am Piano, Sarah Murcia am Bass und Christoph Lavergne am Schlagzeug. Ein Jazzgenuss mit zweifacher Zugabe.

 

Der US-amerikanische Tubist Jon Sass präsentierte ein Programm mit einer vielfältigen Mischung afroamerikanischer Musik und bewegte sich zwischen Jazz, Funk, Soul, R&B und Hip-Hop. Begleitet wurde der „Tausendsassa an der Tuba“ von Angus Bangus Thomas am Bass, Alex Deutsch an den Drums und von Geri Schuller an den Tasten. Der Sänger Ola Egbowon war die Überraschung des Abends. Die wohl souligste Stimme Österreichs brachte Emotionen nonstop von der Bühne direkt ins Publikum. Das Programm war George Perry Floyd Jr. und dem Ruf nach Gerechtigkeit für Afroamerikaner gewidmet.

 

Am dritten Abend wechselte das Jazz im Hof Festival wetterbedingt in den frei:raum

St. Pölten. Um 19.30 startete Andreas Schaerer stimmgewaltig, gilt der Schweizer doch als einer der interessantesten Gesangskünstler der Musikszene weltweit. Und mit Luciano Biondini am Akkordeon, hat der Stimmjongleur nicht nur seine „anima gemella“ – Seelenverwandten – gefunden, sondern auch ein perfektes Gegenüber für musikalische Zwiegespräche. Das, was dort auf der Bühne abging, war ein feuriger Dialog in den verschiedensten Stimmlagen und Stilen, gepaart mit Beatboxrhythmen und Geräuschen. Biondini verstand es perfekt, die polyphon übereinander getürmten stimmlichen Instrumente Schaerers mit Eigenkompositionen und leidenschaftlichen canzoni zu verstärken. Bravo.

 

Mit einer Reise durch Ahnenklänge und modernen Jazz, die von Standing Ovations aus dem Publikum begleitet wurden, verabschiedete sich das Jazz im Hof Festival 2020. Für das Projekt „Dream Weavers“ haben sich drei internationale Jazzgrößen zusammengefunden, die im Stande sind, sich von den archaischen Stimmen der Insel Sardinien bis zur traditionellen Musik Vietnams musikalisch auszudehnen – und auch vor den Liedern Ägyptens bis zum Jazz Manouche nicht Halt machen. Der sardische Saxophonist und Polyinstrumentalist Gavino Murgia, der französische Gitarrist und Bassist Nguyên Lê sowie der herausragende Perkussionist und Tabla-Spieler Prabhu Edouard haben es verstanden, mit vielfach kontrapunktierenden melodischen Varianten und Rhythmik zu begeistern.

 

Wir gratulieren Caroline Berchotteau zu diesem tollen Programm!

 

 

Salzkammergut Festwochen 2020: Konzert Willi Resetarits & Die raue Seele des Stubenblues

Eva Riebler

Konzert Willi Resetarits & Die raue Seele des Stubenblues
Toscana Congress Zentrum, 17.7.2020. 20 Uhr   

Statt Ernst Molden (krankheitshalber verhindert) und seiner Band inklusive Willi Resetarits sprangen die Stubenblues mit den drei Salzburgern Stefan Schubert als Konzertmeister/Gitarre, Peter Angerer/Percussion und Klaus Kircher/Bass ein.

Kurz bemerkt: Im Chorgesang großartig, in der Moderation Resetarits langatmig bis langweilig.

Zu Beginn drei H.C. Artmann-Lieder mit Dialekt-/Fallfehler („am ärmsten is ma ohne DIR“ – da wäre im Dialekt „ohne di“ schon flüssiger gewesen), die nur zarte Stimmung brachten. Jedoch mit den brandneuen Liedern mit Mundharmonika, besonders ab dem Lied aus der Heimat Resetarits, aus Stinatz, kam melodische und rhythmische Begeisterung von der Bühne und alles war und klang wieder gut!

Festwochen Salzkammergut Gmunden Toscana-Congress Konzert 23.7.2020: The Erlkings & Franzl

Eva Riebler

Festwochen Salzkammergut
Gmunden Toscana-Congress Konzert 23.7.2020

The Erlkings
Franzl
Bryan Benner – Bariton, Gitarre
Ivan Turkalj – Violincello
Thomas Toppler – Perkussion, Vibraphon
Simon Teurezbacher – Tuba

Mit FRANZL ist Franz Schubert gemeint, denn Bryan Benner hat viele der 700 Lieder Franz Schuberts in bestes Englisch übertragen und sein dynamisches Team gibt Passagen mit den jeweiligen Instrumenten pointiert wieder. Großartig ist sein Bariton und die Textung ins Englische der Schillerschen Balladen. Sie zeigen eine Freude an der harmonischen Musik und eine Ehrung Schuberts Werke. So wird das Kunstlied modernisiert und das Publikum hat Freude an der dynamischen und unerwarteten Umsetzung. Er verschmilzt deutsches Liedgut mit sehr berührenden Geschichten. Zu den ersten acht Liedern hat er Texterklärungen parat, die berühren und plausibel Eindrücke und Hintergrundwissen vermitteln, die bereits in der Nachmittagsvorstellung 100 Kinder begeisterten.

Ein Amerikaner, der erst seit 2011 in Österreich weilt, bringt so mittels charmantem Humor und herausragender Stimme dem österreichischen Publikum historisches Liedgut sehr nahe!

Großartig!

 

Landestheater 14.02.2020 Premiere "BLACK" von Luc Perceval

Eva Riebler

Landestheater 14.2.2020
BLACK

Von Luc Perceval

In seiner Trilogie „Black“, „Yellow“ und „Red“, den belgischen Nationalfarben, verarbeitet Regisseur Luk Perceval die Geschichte und Identität Belgiens. Der erste Teil „Black“ befasst sich mit dem kolonialen Erbe im Kongo. Bei der Berliner Kongo-Konferenz 1884/85 wurde dem belgischen König Leopold II der Kongo als Privatbesitz zugesprochen. Damit begann für die Bevölkerung des rohstoffreichen Landes ein Martyrium schrecklichen Ausmaßes: mit ungeheurer Brutalität wurde die gesamte Bevölkerung für die Kautschukernte herangezogen. Leopold II war verantwortlich für grausamste Menschenrechtsverletzungen. Im Mittelpunkt der bildstarken und musikalischen Inszenierung steht der afroamerikanische Missionar William Henry Sheppard, der dies dokumentierte und Aufmerksamkeit schuf für ein Verbrechen, das in Belgien bis heute weitgehend verdrängt wird.

„Percevals Theaterinstallation will letztlich Versöhnung und inszeniert im Schlussbild den Traum vom Schwarze und Weiße verbindenden Stammesritual, befeuert vom furiosen Theatermusiker Sam Gysel.“ DEUTSCHLANDFUNK

Das NTGent gehört aktuell zu den wichtigsten Theaterhäusern Europas.

In flämischer, englischer und französischer Sprache Mit deutschen Übertiteln.

Mit Aminata Demba, Tom Dewispelaere, Andie Dushime, Frank Focketyn, Yolanda Mpelé, Nganji Mutiri, Peter Seynaeve, Chris Thys

Inszenierung Luk Perceval Bühne Annette Kurz Kostüme Ilse Vandenbussche Dramaturgie Steven Heene Musik Sam Gysel

Österreich-Premiere Fr, 14.02.2020, 19.30 *